Wien - Nächste Woche soll nach Willen der Sparkassen-Arbeitgeber Konsens über das neue Dienstrecht im Sektor geschaffen sein. Am 14. und 15. Juni wird in einer Klausur vor den Toren Wiens zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern dazu weiter verhandelt. Bis Ende Juni sollen Eckpunkte stehen, wie künftig beim Personalaufwand ein dreistelliger Millionenbetrag pro Jahr eingespart werden kann. Verstreicht das Ultimatum ungenutzt, dürfte der Streit eskalieren: Wie es am Freitag gegenüber der APA hieß, steht bereits die Drohung im Raum, der österreichische Sparkassenverband wolle dann den Kollektivvertrag (KV) einseitig aufkündigen.

In den Verhandlungen um ein neues KV-Schema geht es u.a. um den Wegfall der bisherigen jährlichen Gehalts-Vorrückungen, ersetzt durch künftig einige wenige größere Vorrückungen. Damit würde die Gehaltskurve flacher, bei gleichzeitig höheren Anfangsgehältern und mehr Leistungsentlohnung. Auch das so genannte Definitivum, also der de-facto-Kündigungsschutz (inklusive Versetzungsschutz) für Sparkassen-Angestellte, ist ein langjähriger Streitpunkt. Die Arbeitnehmer wollten darüber heuer gar noch nicht verhandeln, prominente Mitglieder der Arbeitgeber (allen voran das Management der Erste Bank) allerdings schon.

Einkommenskürzungen drohen

Während der Verband in offiziellen Informationen wiederholt erklärt hat, die KV-bedingten Personalkosten in den Sparkassen müssten um 15 Prozent runter, hatte ein Magazin ("Format") vor Wochen bereits aus einem internen Positionspapier zitiert, wonach mit dem neuen Sparkassen-Kollektivvertrag den Beschäftigten künftig Einkommenskürzungen von bis zu 20 Prozent drohen. Das bestehende Lohnschema mit 35 Gehaltsstufen, automatischen, jährlichen Vorrückungen und "diffusen" Zulagesätzen soll dem internen Arbeitgeberpapier zufolge durch ein siebenstufiges Gehaltssystem mit "Bekenntnis zu ergebnis- und/oder leistungsorientierten Entgeltbestandteilen" ersetzt werden. Während etwa Privatkundenbetreuer mit einem Minus von 19 Prozent rechnen müssten, sei bei Firmenkundenberatern bzw. Geschäftstellenleitern von Abschlägen von 16 bzw. 15 Prozent die Rede.

Für die größte Sparkasse des Landes, die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) hatte die Konzernspitze in München bereits vor Wochen ebenfalls die Rute ins Fenster gestellt: Bis nächstes Jahr müsse das Kollektivvertragsschema in Österreich reformiert sein, sonst werde die BA-CA weg sein aus dem Sparkassensektor. Mit einer Aufkündigung des so genannten Syndikatsvertrags der HVB könnte die BA-CA damit aus dem österreichischen Sparkassenverband ausscheiden und in der Folge vom Sparkassen-KV in den Banken-KV überwechseln. (APA)