Wien - Endspurt im freiheitlichen EU-Wahlkampf. Jörg Haiders Vorwürfe gegen den SPÖ-Spitzenkandidaten Hannes Swoboda und EU-Kommissar Franz Fischler bleiben natürlich aufrecht. Das inkriminierte Wort "Landesverrat" nimmt der Kärntner Landeshauptmann in Klagenfurt aber nicht mehr in den Mund. Nein, auf Druck von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel habe er seine Wortwahl nicht bedauert, er habe nur auf den Appell des Bundespräsidenten reagiert. Und überhaupt: Wolfgang Schüssel könne ihm gar nicht drohen: Denn, so Haider flapsig: "Ich wüsste nicht womit. Er kann froh sein, wenn er seine Regierung derhaltet." Neuwahlen anzustreben könne ja in einer "schwächelnden Phase der Regierung nicht Ziel des Kanzlers sein. Ansonsten rief Haider vor allem die FPÖ-Kernwähler zur "Schicksalswahl" und bemühte dabei in ganzseitigen Zeitungsinseraten sogar den Vergleich mit der Kärntner Volksabstimmung 1920.

FPÖ-Spitzenkandidat Hans Kronberger zeigte sich am Freitag überzeugt, das Ergebnis der Nationalratswahl (zehn Prozent) "deutlich" zu übertreffen. Ungeachtet des Vorzugsstimmenwahlkampfs seines parteiinternen Rivalen Andreas Mölzer geht Kronberger davon aus, wiedergewählt zu werden. Die deftigen Worte von Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider im Wahlkampf haben den Spitzenkandidaten nicht sonderlich gestört. Forderungen aus dem Mölzer-Lager, dass er einen Preis des Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands für seine Dissertation zurückgeben soll, wird Kronberger nicht nachkommen. Er hält es nicht für zielführend, über Dinge zu diskutieren, die 25 Jahre zurücklegen und außerdem habe er seine Arbeit erst vor Kurzem nochmals gelesen und würde sie heute wieder genauso schreiben.

Mölzer, Nummer drei auf der EU-Liste der FPÖ, ist mit dem Verlauf seines Vorzugsstimmenwahlkampfes ebenfalls zufrieden. Mölzer tritt mit dem Ziel an, Kronberger zu überholen. Dazu müsste Mölzer am Sonntag von sieben Prozent der FP-Wähler eine Vorzugsstimme erhalten. (APA/stein, völ, DER STANDARD, Printausgabe 12./13.6.2004)