Wien - Die heimischen Großbanken, die mehr als 80 Prozent an der auf Unternehmensfinanzierung spezialisierten börsenotierten Investkredit Bank halten, planen den Ausstieg aus der Bank. Laut "Kurier" (Freitagausgabe) soll dazu in den nächsten zwei Wochen verhandelt werden. Ein Szenario: Die Banken könnten Investkredit-Anteile in deren Tochter Kommunalkredit umschichten. Damit geht in nächster Zeit die Strukturbereinigung im Bankenapparat nach den Fusionen der vergangenen Jahre weiter.

Mehrheit

Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), BAWAG P.S.K., RZB, Erste Bank, Städtische und Volksbanken AG halten derzeit die Mehrheit (über 80 Prozent) an der Investkredit, die zwar nicht im Privatkundengeschäft tätig ist, aber bei den größeren Unternehmen des Landes einen hervorragenden Ruf besitzt (genaue Anteile siehe unten).

In den kommenden zwei Wochen werden die Eigentümer darüber verhandeln, die wahrscheinlichste Möglichkeit ist laut Zeitung derzeit, dass die Investkredit-Tochter Kommunalkredit herausgelöst wird, und sich die Banken daran beteiligen. Auslöser des Schrittes soll die BAWAG P.S.K.-Gruppe gewesen sein, die ihre 21 Prozent an der Investkredit den anderen Banken zum Kauf angeboten habe.

Konkurrenzlage

Aus den beteiligten Banken wird dazu nichts offiziell gesagt. Es sei aber logisch, dass der eine oder andere lieber Gewinne realisiere und die Mittel in den Ausbau seiner eigenen Aktivitäten stecke als weiter mit einer Beteiligung an einer Bank zu leben, die man durchaus als ordentliche Konkurrenz betrachte, hieß es dazu am Freitag zur APA.

Diese Konkurrenzlage war u.a. ein Grund, warum eine vom Investkredit-Vorstand geplante kräftige Kapitalerhöhung vor kurzem geplatzt ist. Die Großbanken hatten sich im Aufsichtsrat im März gegen eine Kapitalaufstockung bei der Investkredit ausgesprochen. "Die sind in Relation ja besser mit Eigenkapital ausgestattet als wir selbst", hatte es unter vorgehaltener Hand bei Eigentümerbanken geheißen.

Industrielle könnten aufstocken

Laut "Kurier" haben die anderen Großbanken zur Zeit auch keine Lust, den BAWAG-Anteil aufzugreifen, was sie wegen der komplizierten Syndikatsverträge machen müssten. Es stellt sich aber die Frage, wer die Investkredit kaufen wird. Derzeit sind heimische Industrielle mit rund 14 Prozent an der Bank beteiligt. Offen ist, ob diese aufstocken. Da die Bank auch börsenotiert ist, könnte der Streubesitz an der Börse deutlich erhöht werden, heißt es.

Hohe außerordentliche Einnahmen

Die Aktienentwicklung soll ein weiterer Grund sein, warum die Banken aussteigen wollen. Der Kurs hat sich in den vergangenen zwölf Monaten auf 75 Euro verdoppelt. Da die Eigentümer-Banken die Investkredit laut Zeitung meist zum Nennwert der Aktie in den Büchern stehen haben, würden sie hohe außerordentliche Einnahmen kassieren können. Dieses Geld könnten sie in Osteuropa investieren, genau dort geht die Investkredit - etwa mit ihren Immobilien-Engagements - aber auch hin.

"Alles oder nichts"

Dass die BAWAG P.S.K. jetzt die Richtung vorgibt, hat nach APA-Informationen den Hintergrund in früheren genau entgegengesetzten Ambitionen: Der BAWAG P.S.K. als bisher zweitgrößter Investkredit-Aktionärin wurde auch noch vor der (geplatzten) Kapitalerhöhung bei der Investkredit nachgesagt, mehr Einfluss in der Spezialbank anzustreben, also einen weitaus höheren und auch höher bewerteten Aktienanteil als bisher. Das gab es nicht. Und mit einem Minderheitsanteil an einer Bank Geld zu binden, die noch dazu in wichtigen Geschäftssparten Konkurrenz sei, mache auf Dauer wenig Sinn, heißt es in Finanzkreisen.

Offiziell gibt es, wie bereits erwähnt, keine Statements, inoffziell wird aber von mehreren größeren Aktionären bestätigt, dass konkrete Überlegungen zum Ausstieg aus der Investkredit laufen. Beschlüsse gebe es noch in keinem der Häuser. "Wozu brauchen wir die Beteiligung an der Investkredit noch", meinte eine Bank, "das Interessante ist für uns da die Kommunalkredit." Wenn die BAWAG jetzt Geld brauche, dann würden auch die anderen nicht zögern, die Gelegenheit zu nutzen, außerordentliche Verkaufserlöse zu lukrieren.

Wer den ausstiegswilligen Banken die Investkredit-Aktien abkaufen würde, ist offen. Dass es eine bisher beteiligte Großbank aus Österreich wäre, wird bisher bezweifelt: "Sofern es einen größeren Käufer gibt, dann ist das eher ein Neuer." Möglicherweise aus dem internationalen Kooperationskreis der Investkredit/Kommunalkredit-Gruppe.

An der Wiener Börse gab die Investkredit-Aktie heute stark nach: Gegen 13 Uhr notierte der Banktitel mit 73,15 Euro um 2,5 Prozent tiefer.

Bankenkonzentration

Dass die Investkredit-Beteiligung jetzt auf der Rückzugsliste der Großbanken steht, liegt auch an der Bankenkonzentration der letzten Jahre. Während vor Jahren die einzelnen Banken mit Paketen um die 10 Prozent beteiligt waren, teilen sich nach den Fusionen unter Großbanken die Investkredit-Aktien heute auf vier größere Blöcke auf.

Die Aktionäre der Investkredit

Größter Anteilsinhaber an der Investkredit ist die Bank Austria-Creditanstalt, die über die BA-CA AG 9,76 Prozent, über ihre Tochter CABET Holding AG 15,01 sowie über die Schoellerbank 1,97 Prozent hält. Die BAWAG/P.S.K.-Gruppe hält 10,91 Prozent über die P.S.K. Beteiligungsverwaltung und 10,37 Prozent über die BAWAG AG. Die Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen hält 11,26 Prozent, die Raiffeisen Zentralbank (RZB) hält 15,55 Prozent, die Wiener Städtische Versicherung 7,42 Prozent, die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) 3,36 Prozent und die Oesterreichische Kontrollbank 0,41 Prozent. 13,99 Prozent befinden sich in Streubesitz, insbesondere der österreichischen Industrie. (APA)