Riga - Lettland wird von der EU-Kommission Entschädigungen für den von Russland am 1. Juni für einige Tage verhängten Einfuhrstopp von Fleisch verlangen. Das beschloss das Landwirtschaftsministerium am Donnerstagnachmittag in Riga. Bis zum 21. Juni sollen die durch den Boykott verursachten Verluste lettischer Fleischexporteure beziffert und anschließend der Kommission vorgelegt werden, hieß es seitens des Ministeriums. Landwirtschaftsminister Martins Roze kritisierte die Vorgangsweise der Kommission in der Angelegenheit als "ineffizient".

Abkommen nicht rechtzeitig ausgehandelt

Laut Roze ist die EU-Kommission verantwortlich, weil sie nicht rechtzeitig ein neues Abkommen mit Russland ausgehandelt hat. Lettland werde daher für die erlittenen Einbußen teilweise Kompensationen verlangen. Roze deutete weiters an, auch künftig auf bilateraler Ebene mit dem russischen Landwirtschaftsministerium verhandeln zu wollen. "Wir müssen die Interessen unserer Bauern und landwirtschaftlichen Produzenten verteidigen, vor allem weil wir mit solchen Gesprächen gute Erfahrungen haben und die Vorgangsweise der Europäische Kommission ineffizient ist", sagte Roze laut Nachrichtenagentur BNS.

Moskau hatte am 1. Juni Fleischimporte aus der EU zeitweise gestoppt. Nach Erreichen eines Kompromisses mit Brüssel setzte Russland die mit Ende Mai ausgelaufene, bisherige Zertifikationsregelung einige Tage später wieder in Kraft und ließ damit den Import von Fleisch aus der EU wieder zu. Die Europäische Union und Russland wollen nun bis zum 1. Oktober ein EU-weit einheitliches Qualitätszertifikat für Fleischexporte aushandeln. Die EU exportiert jährlich für etwa 1,3 Mrd. Euro Fleisch nach Russland. (APA)