Wien - Anfang dieses Jahres haben sich zum 80. Mal der Geburtstag (13. Jänner) und zum 10. Mal der Todestag (11. Februar) des aus Wien stammenden Philosophen Paul Feyerabend gejährt. Aus diesem Anlass veranstaltet das Institut Wiener Kreis gemeinsam mit den Instituten für Zeitgeschichte und Philosophie der Uni Wien am kommenden Freitag und Samstag (18.-19.6.) ein internationales Symposium, in dem des Lebenswerks des Wissenschaftstheoretikers gedacht und ein kritischer Rückblick auf sein Oeuvre aus heutiger, distanzierter Sicht unternommen werden soll.

"Jenseits des trendigen Geniekults um Feyerabend mit seinem postmodernen Image eines anarchistischen Zerstörers aller rationalistischen Philosophie und analytischen Wissenschaftstheorie und in kritischer Beleuchtung seiner autobiografischen Schriften" wollen die Veranstalter mit dem Symposium zwei Ziele verfolgen: Einerseits Feyerabends intellektuelle Entwicklung von Wien über England und die USA bis nach Zürich zu untersuchen bzw. andererseits dessen theoretische Schriften im Rahmen der Wissenschaften und Philosophie des 20. Jahrhunderts zu analysieren.

Dabei werden neben renommierten internationalen Experten auch persönliche und intellektuelle Weggefährten zu Wort kommen, um Leben und Werk des "mit dem Ludergeruch des Anarchisten" behafteten Philosophen (so der Wiener Soziologe Reinhold Knoll im Abstract zu seinem Symposiumsvortrag) aus biografischer und wissenschaftsgeschichtlicher Perspektive zu behandeln.

Biografie

Feyerabend, am 13. Jänner 1924 in Wien geboren, studierte zunächst Theaterwissenschaften und Soziologie, später Physik, Mathematik und Astronomie an der Universität Wien. 1951 wurde er mit einer wissenschaftstheoretischen Arbeit bei Victor Kraft promoviert. Mit einem Stipendium des British Council ging er zu Karl Popper nach London und setzte sich mit dessen Kritischem Rationalismus auseinander. Er dachte Poppers "Falsifikationismus" weiter und forderte zunächst zur wirklich kritischen Prüfung einer Theorie einen "Theorienpluralismus", also auch die Auseinandersetzung mit alternativen Modellen.

"Methodenpluralismus" gefordert

Später wandte er sich völlig gegen die von Popper begründete Denkschule und meinte, dass für die Methoden das gleiche gelte wie für die Theorien. Während Popper am Prinzip der Falsifikation, also der kritischen Prüfung neuer Hypothesen, festhielt, forderte Feyerabend in seinem Hauptwerk "Wider den Methodenzwang" auch einen "Methodenpluralismus" und argumentierte, dass sich große Entdeckungen auch über den Umweg der Unvernunft behaupten könnten und es keine fixen Regeln für wissenschaftliches Arbeiten gebe.

In seiner dadaistischen Phase lehnte er schließlich jede Reglementierung des Erkenntniserwerbs ab und betrachtete unter dem Schlachtruf "Anything goes" die Wissenschaft als lediglich eine Tradition unter vielen anderen, wie Magie oder Astrologie.

1959 wurde Feyerabend an die University of California in Berkeley berufen und ging gegen Ende seiner akademischen Karriere 1979 an die Eidgenössisch Technische Hochschule (ETH) Zürich. In der Schweizer Stadt erlag er am 11. Februar 1994 einem Krebsleiden. (APA)