Budapest - Der Chefstratege des ungarischen Ölkonzerns MOL, Zoltan Aldott, geht davon aus, dass die kroatische Regierung kaum einen Minderheitsanteil am Ölkonzern INA an die österreichische OMV oder an eine andere Ölgesellschaft verkaufen wird.

Laut der Zeitung "Vilaggazdasag" (Freitag-Ausgabe) weist Aldott darauf hin, dass die bestehende 25-Prozent-Beteiligung der MOL an der INA eine strategische und keine finanzielle Beteiligung sei. "Das macht es unwahrscheinlich, dass die kroatische Regierung im Zuge des laufenden Privatisierungsprozesses der INA einen Minderheitsanteil an eine andere Ölgesellschaft verkaufen wird", so Aldott laut ungarischer Nachrichtenagentur MTI.

"Noch keine Entscheidung" bei OMV

Erst kürzlich hat die OMV einen kroatischen Zeitungsbericht dementiert, wonach sie der Regierung in Zagreb bereits eine Absichtserklärung zum Erwerb der Sperrminorität am kroatischen Ölkonzern INA übermittelt habe. "Faktum ist, dass es bei uns noch keine Entscheidung gibt, ob wir uns am Privatisierungsprozess zur INA beteiligen oder nicht", sagte ein OMV-Sprecher zur APA: "Daher gibt es auch keinen Letter of Intent." Die OMV habe lediglich um Informationen zu den konkreten Bedingungen dieses weiteren Privatisierungsvorhabens ersucht: "Das ist ganz normal, um sich ein klares Bild machen zu können."

Die kroatische Tageszeitung "Vecernji list" hatte zuvor berichtet, die OMV wolle den Viertel-Anteil an der INA unter den gleichen Bedingungen wie im Vorjahr der ungarische Ölkonzern MOL erwerben. MOL hatte 25 Prozent plus eine Aktie von INA gekauft und dafür 505 Mio. Dollar (derzeit 415 Mio. Euro) gezahlt. Kroatien will nach der Übernahme der INA-Sperrminorität durch MOL nun weitere 15 Prozent der Aktien öffentlich zum Kauf anbieten.

Kräftegleichgewicht

Das derzeitige Kräftegleichgewicht am regionalen Ölmarkt, den sich die OMV, die ungarische MOL, die russische Lukoil und die polnische PKN teilen, werde unter Berücksichtigung des derzeitigen Konsolidierungsniveaus wahrscheinlich unverändert bleiben, meinte der MOL-Chefstratege weiter.

Aldott führte die starke Präsenz der MOL in Ungarn, der Slowakei und auch ihren 25-Prozent-Anteil an der kroatischen INA an, mit der die MOL plant, gemeinsam nach Serbien zu expandieren. Zusätzlich habe die MOL eine starke Position in Österreich, Tschechien, Bosnien und Slowenien. Auch an der rumänischen Petrom, für die die OMV als einziger Bieter ein verbindliches Angebot gelegt hat, war MOL interessiert. Jedoch nicht an einem Einstieg - dies hätte ihre finanziellen Möglichkeiten überschritten - sondern in Form einer Partnerschaft. (APA)