Gewählt hat Joan Collins in ihrem Leben noch nie, doch dieses Manko hinderte sie nicht daran, selber als Kandidatin ins Rennen zu gehen. Die heute 71-jährige Schauspielerin, bekannt als Alexis Carrington, das schöne Biest der Fernsehserie "Denver Clan", trat zur Europawahl für die United Kingdom Independence Party (UKIP) an. Die Briten stimmten bereits am Donnerstag ab.

Die Randpartei, die nur bei europaweiten Anlässen aus der Versenkung auftaucht, hält sich nicht lange mit EU-Verfassung, Stabilitätspakt und ähnlichen Petitessen auf. Sie verlangt den Austritt Großbritanniens aus der EU. Denn: "Sie wollen mein England töten." Und: "Worüber soll ich mit einem Slowenen oder Slowaken sprechen, wenn das Wetter abgehakt ist?"

Wie die UKIP abschneiden würde, war die spannendste Frage des britischen Europavotums. Vor fünf Jahren kam sie auf sieben Prozent der Stimmen. Diesmal prophezeiten ihr Umfragen bis zu 18 Prozent.

Die zweite Frage ist, ob das Inselreich bei der Wahlbeteiligung erneut die Rote Laterne tragen wird. Simon Hix hat keinen Zweifel daran. Erschiene mehr als ein Viertel der Stimmberechtigten an der Urne, wäre das schon ein Erfolg, meint der EU-Experte der London School of Economics. Um gegen die Apathie anzukämpfen, hatte die Regierung Europa- und Kommunalwahlen zusammengelegt.

Die Europawahl sei traditionell eine Protestwahl, und diesmal sei eben die UKIP die Partei des Protests, sagt Hix. "Die Leute können Blair einen Denkzettel verpassen, ohne dass es ernsthafte Folgen hat."

So war es schon 1999. Damals gewannen die Tories den Wettlauf ums Europaparlament, aber nur, um zwei Jahre später beim nationalen Votum klar den Kürzeren gegen Labour zu ziehen. Diesmal könnte die UKIP mit ihren knallharten Anti-EU-Parolen den gleichfalls euroskeptischen Konservativen deren Stammwähler abspenstig machen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe,11.6.2004)