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Die drei befreiten Geiseln Umberto Cupertino, Maurizio Agliana und Salvatore Stefio sollen kommende Woche zum weiten Mal nach ihrer Rückkehr nach Italien von den Ermittlern vernommen werden.

Foto: APA/EPA/Claudio Onorati
Rom - Die drei italienischen Geiseln, die am Dienstag dank einer Operation westlicher Spezialeinheiten nach 56 Tagen Gefangenschaft im Irak befreit wurden, hätten von ihren Entführern in wenigen Tagen ermordet werden sollen. In Italien wurde ein Dokument der "Brigaden al-Quds" veröffentlicht, in dem der Tod der Geiseln als Vergeltung für die "Arroganz des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi" angekündigt wurde.

Das Dokument wurde auf der Webseite der Terrorgruppe Ansar al-Islam entdeckt, die vor einem Monat die Hinrichtung der US-Geisel Nick Berg gefilmt hatte, berichteten italienische Medien am Freitag. Oppositionskreise in Italien äußerten jedoch Bedenken über die Glaubwürdigkeit des Dokuments.

"Es wurde nicht verhandelt"

Die italienische Regierung hat am Freitag bestritten, neun Millionen Dollar (7,50 Mill. Euro) als Lösegeld für die Befreiung der drei im Irak entführten Italiener gezahlt zu haben. "Es hat keinerlei Verhandlungen mit Entführern gegeben. Die italienische Regierung hat alle Kommunikationswege offen gehalten: Nicht mit den Terroristen, sondern mit irakischen Kreisen und vor allem mit den religiösen Behörden, die sich bereit erklärt hatten, für ein positive Ende der Geiselnahme zu arbeiten", versicherte der italienische Vizepremier Gianfranco Fini.

Kritik an Aussagen der im Irak aktiven Menschenrechtsorganisation "Emergency"

Fini kritisierte auch den Leiter der im Irak aktiven Menschenrechtsorganisation "Emergency", Gino Strada. Dieser hatte im Interview mit der römischen Tageszeitung "La Repubblica" (Freitagausgabe) in Bagdad kursierende Indiskretionen berichtet, nach denen die Regierung Berlusconi neun Millionen Dollar zur Befreiung der Geiseln ausgegeben habe. Die Befreiung der drei Italiener durch westliche Spezialeinheiten sei nur für die Medien organisiert worden.

Fall für die Staatsanwaltschaft

Mit dem Fall beschäftigen sich auch die römischen Staatsanwälte, die zum Tod einer italienischen Geisel im Irak ermitteln. Die drei befreiten Geiseln Umberto Cupertino, Maurizio Agliana und Salvatore Stefio sollen kommende Woche zum weiten Mal nach ihrer Rückkehr nach Italien von den Ermittlern vernommen werden.

Politische Debatten um Hintergründe der Geiselbefreiung

Die Hintergründe der Befreiung und der Tötung Fabrizio Quattrocchis, der vierten Geisel, die am 12. April nahe Bagdad entführt worden waren, sorgen weiterhin für politische Debatten in Italien. "Zu viele Aspekte dieses Geiseldramas sind noch sonderbar. Wir wollen wissen, wie und wann die drei Italiener entführt wurden, warum Quattrocchi getötet wurde und wie die Geiseln befreit wurden. Wer hat die nötigen Informationen zur Befreiung geliefert", so der Parlamentarier der Linksdemokraten, Marco Minniti. Die Opposition verlangt, dass Regierungschef Silvio Berlusconi nach den EU-Wahlen am kommenden Wochenende dem Parlament über die Geiselbefreiung berichtet. (APA)