Bild nicht mehr verfügbar.

Foto: APA/EPA/Michael Mulvey / Pool
Washington/New York - Kurz nach seinem Amtsantritt im Jahr 1981 hatte Ronald Reagan, 40. Präsident der Vereinigten Staaten, bereits begonnen, sein Begräbnis zu planen; während seiner achtjährigen Amtszeit lud er persönlich eine Reihe von Personen ein, daran teilzunehmen: Es war sein ausdrücklicher Wunsch, dass sein damaliger Vizepräsident, George W. H. Bush, die von ihm nominierte erste Frau am Obersten Gerichtshof, Sandra Day O'Connor, der ehemalige kanadische Premierminister Brian Mulroney und die ehemalige Premierministerin Margaret Thatcher Trauerreden halten würden.

Thatcher, die nach einer Reihe von leichten Schlaganfällen keine öffentlichen Reden mehr hält, nahm ihren Beitrag auf Video auf.

Nach Reagans Tod am vergangenen Samstag im Alter von 93 Jahren bat seine Witwe Nancy Präsident George W. Bush, ebenfalls zu sprechen. Der amtierende Präsident gab am Ende des Treffens der G-8 Einblick in seine Rede: Es gelte den "großartigen Menschen, den historischen Leader und Nationalhelden" Reagan "im Namen einer dankbaren Nation" zu würdigen.

Ex-Präsidenten

An dem ersten Staatsbegräbnis seit 31 Jahren nahmen Staats- und Regierungschefs aus aller Welt teil, darunter neben allen vier noch lebenden ehemaligen US-Präsidenten (Gerald Ford, Jimmy Carter, George W. H. Bush und Bill Clinton) auch der frühere französische Staatschef Valéry Giscard d'Estaing, Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi, der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder, der britische Premier Tony Blair, der britische Kronprinz Charles und die österreichische Außenministerin Benita Ferrero-Waldner.

Gorbatschow mit Geste am Sarg: "Ich habe ihm auf die Schulter geklopft"

Zu den prominentesten Besuchern am Sarg gehörte der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow, mit dem Reagan in den achtziger Jahren den ersten wirklichen Abrüstungsvertrag abgeschlossen hatte. Mit gesenktem Kopf verharrte Gorbatschow am Katafalk und legte dann die Hand auf das Sternenbanner, in das der Sarg eingehüllt ist. "Ich habe ihm (Reagan) auf die Schulter geklopft", beschrieb Gorbatschow später seine Geste.

Das letzte große Staatsbegräbnis für einen Präsidenten in Washington fand 1973 nach dem Tod von Lyndon B. Johnson statt. Der ehemalige Präsident Richard M. Nixon, der nach dem Watergate-Skandal zurücktreten musste, verzichtete auf die Tradition und wurde in Kalifornien begraben.

Der Sarg Reagans ist größer und prächtiger als die seiner verstorbenen Vorgänger John F. Kennedy und Richard Nixon. Der 180 Kilogramm schwere Sarg wurde bereits im vergangenen Jahr aus Mahagoni gefertigt, Kosten 10.000 bis 14.000 Dollar. Reagan wird in Simi Valley in Kalifornien beigesetzt. Die US-Börsen blieben am Freitag wegen des nationalen Trauertages geschlossen. Die Auswirkungen auf die europäischen Börsen waren merkbar, die Handelsvolumina blieben dünn. (DER STANDARD, Printausgabe 12./13.6.2004)