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Schüssel und Haider beim Handschlag Ende April bei einer Festveranstaltung anlässlich der EU-Erweiterung.

Foto: APA/Bernhard J. Holzner/HOPI MEDIA
Unter Aufbietung seines ganzen Mannesmutes hat Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zu Fronleichnam verkündet, er "erwarte" eine Erklärung des Entlarvers aller Vaterlandsverräter, nachdem er es demselben eigener Aussage zufolge nicht nur beinhart, sondern auch persönlich hineingesagt hat. Die Erklärung liegt vor, der Standard hat recherchiert, wie es dazu kam.

SCHÜSSEL: Grüß Gott, du, ich bin 's.

HAIDER: Das sag' ich dir gleich: Vaterlandsverräter verfallen der Feme, egal ob sie Swoboda oder Fischler heißen. Oder glaubst vielleicht, mit dem Slogan "Mölzer für den EU-Moloch" machen wir am Sonntag einen Stich?

SCHÜSSEL: Ich versteh' dich ja, im Prinzip hast eh Recht, aber kannst nicht mir zulieb ein bissel nachlassen. Beim Swoboda von mir aus, dem merkt man den Vaterlandsverrat schon am tschechischen Namen an. Aber beim Fischler find' ich das völlig unannehmbar.

HAIDER: Hör mir auf mit dem Fischler, der is' ja viel ärger. Der Swoboda verrät das Vaterland, na von mir aus, ist eh eine Missgeburt, und ich hab' die Österreicher noch nie belogen. Aber der Fischler ist ein gentechnischer Vaterlandsverräter, das ist viel schlimmer. Der Genmais kommt in die Schweindln, die Genschweindln gelangen in die Patrioten, und demnächst wimmelt 's von nordischen Menschen wie Herbert Haupt. Da geht 's um die österreichische Rasse.

SCHÜSSEL: Jetzt übertreib' nicht. Der Herbert wird eh bald entsorgt. Solang es nur gegen den Swoboda gegangen ist, hab' ich dir die Stange gehalten und nur deinen Stil bemängelt, aber über den Fischler brauchen wir nichts kommen lassen.

HAIDER: Tu dir nichts an. Wenn der so gut wär', hättest ihn für die Hofburg aufgestellt. Aber du verlierst doch lieber eine Wahl, wenn du keine Marionette haben kannst. Solange ich einfaches Parteimitglied bin, gibt 's das bei mir nicht. – Also du, Wolferl, ist sonst noch was? Ich muss nämlich noch zu einer Stunde der Parasit- äh der Patrioten.

SCHÜSSEL: Geh, mach nicht gleich so eine Pogromstimmung. Was verlang ich denn schon? Du gibst eine deiner üblichen Erklärungen, weißt eh: Ich nehme alles zurück, der Ausdruck Vaterlandsverräter war für mich noch nie eine Verunglimpfung, nur konstruktive Kritik. Sollten sich Vaterlandsverräter beleidigt fühlen, bleibt es mir unbenommen, dies zu bedauern, ebenso wie den Umstand, dass ich niemandem Staatsbürgerschaft oder Wahlrecht entziehen kann. Wirst sehen, Jörg, alle freuen sich, und ich hab' Ruh.

HAIDER: Also gut, weil du es bist, und weil ich in der "Presse" schreib': "Bei Gegenwind zusammenhalten". Das hab' ich schon mit Saddam und Gaddafi so gehalten, kannst dich auf mich verlassen, wie immer. Übrigens, da fällt mir was ein. Ich könnt ja dann den Klestil als Verräter entlarven, da fällt der Rückzieher beim Fischler nicht so auf.

SCHÜSSEL: Das wär' super, auf dich ist wirklich Verlass. Aber wie soll das gehen, der hat doch nur so einen Wischiwaschi-Appell zur Mäßigung abgelassen, das kratzt mich nicht.

HAIDER: Geh bitte, das ist doch für mich kein Problem. Erinnerst dich nicht mehr an diese Angelobung? So wie der dreing'schaut hat damals, war seine böse Miene zu uns doch glatt gute Miene zum Landesverrat. Ich sag' einfach: Der Appell des Bundespräsidenten ist umso ernster zu nehmen, als nicht nur mit Worten, sondern auch durch das Mienenspiel bei der Angelobung einer demokratisch legitimierten Regierung europaweit Schaden angerichtet werden kann.

SCHÜSSEL: Sehr gut. Aber entzieh ihm nicht gleich die Staatsbürgerschaft.

HAIDER: Wenigstens den Führerschein?

SCHÜSSEL: Das geht, noch besser wär' der Impfpass. Kann ich also der Öffentlichkeit sagen, ich erwarte eine Erklärung von dir?

HAIDER: Meinetwegen. (DER STANDARD, Printausgabe 12./13.6.2004)