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Lockerer Kahn glaubt an den Erfolg.

Foto:Reuters/Dalder

Almancil - "Eine deutsche Mannschaft muss nie ängstlich in ein Turnier gehen. Die Vergangenheit hat bewiesen, dass sie sich immer wieder zusammengerauft, sich fußballerisch gesteigert und dann Erfolg gehabt hat. Das war auch in Japan und Korea so." Also sprach Kapitän Oliver Kahn am Freitag. Teamchef Rudi Völler hofft ebenfalls, "dass wir das Klischee von der Turniermannschaft bestätigen können". Im Gegensatz zum Tormann weist er aber keine Gedächtnislücken auf. "Wir wissen, wie wir im Ausland gesehen werden. Aber wir galten auch vor vier Jahren als klassische Turniermannschaft und sind dann nach der Vorrunde ausgeschieden."

Kein Vorrunden-Aus zu befürchten

Teamchef und Kapitän sind sich wiederum einig, dass diese Gefahr trotz der schweren Gruppengegner Niederlande, Lettland und Tschechien nicht besteht. "Mein Gefühl sagt mir genau das Gleiche wie vor der WM 2002", verriet Kahn, der dazu beigetragen hatte, dass Deutschland Vizeweltmeister wurde. "Ich gehe davon aus, dass Oliver ähnlich wie vor zwei Jahren unser großer Rückhalt sein wird", meinte Völler. "Er ist viel lockerer als in den letzten Monaten." Das liege auch daran, dass sich Kahns private Situation wieder entspannt habe. Die berufliche freilich nicht, Kahn will weg von den Bayern und zum Beispiel nach Manchester, angeblich werden 30 Millionen Euro verlangt. "Das ist ein Witz", sagte der lustige Kahn.

Der deutsche Mannschaftsarzt Tim Meyer rät derweil, auf Sex vor den Partien zu verzichten. "Die körperliche Belastung ist nicht größer als bei einem normalen Training. Daneben gibt es aber auch die emotionale Anstrengung. Deshalb halte ich Sex wenige Stunden vor dem Spiel für problematisch." Allerdings sei das kein großes Thema. "Wir sind alle hoch konzentriert, da denkt man gar nicht dran."

Problematischer Sex

Die deutschen Spielerfrauen sind in einem Nachbarhotel untergebracht. Auch in Sachen Alkohol und Zigaretten setzt die Mannschaftsführung auf die Eigenverantwortung der Profis. "Ich denke, dass sie wissen, dass das nicht gerade günstig ist", erklärte Meyer. Was Kahn und Co auf ihren Zimmern treiben, könne sowieso niemand kontrollieren. Ein unsolider Lebenswandel mache sich aber ohnehin schnell bemerkbar. "Sollten wir scheitern, liegt es aber wahrscheinlich doch an den fehlenden fußballerischen Fähigkeiten. Mit oder ohne Sex", so Meyer. (DER STANDARD Printausgabe 12./13.06.2004)