Die Reiseindustrie wirft ein Auge auf Osteuropa. Für die Veranstalter von Pauschaltouren ist dies ein riesiger Markt, für den Wien eine wichtige Drehscheibe ist


Wien - "Die Fantasie dahinter ist grundsätzlich enorm", sagt Franz Leitner, als Geschäftsführer von Reiseriesen TUI Austria auch zuständig für die Entwicklung der osteuropäischen Märkte. Und er stellt folgenden Vergleich an: Erst etwas mehr als eine Million Flugreisen werden derzeit aus den neuen Mitgliedsländern getätigt - bei 75 Millionen Einwohnern. Das kleine Österreich stellt hingegen 1,2 Millionen Flugreisen.

Der größte europäische Tourismuskonzern TUI entwickelt von Wien aus die osteuropäischen Märkte, und zwar neben den neuen EU-Mitgliedern auch angrenzende Staaten bis hin zu Russland. Konkurrent Thomas Cook hat seine Osteuropazentrale für Neckermann-Reisen in Deutschland.

Die Erfahrungen von TUI bisher: "Jedes Land hat seine Eigenheiten, auf die man bei der Wahl der Vertriebsstruktur Rücksicht nehmen muss", erklärt Leitner. So hat TUI in Polen eine eigene Gesellschaft gegründet, wohingegen in Russland künftig mit Joint-Venture-Partnern gearbeitet werden wird.

In den Märkten Tschechien, Rumänien und Bulgarien hat TUI hingegen derzeit nur Vertriebskooperationen mit ansässigen Reisebüros, die quasi "Österreich-Packages" mit Wien als Abflugsort verkaufen.

Auch der Clubreise-Spezialist Bentour ist dabei, von der Wiener Niederlassung aus für die türkische Mutter MNG Bentour als Marke im Osten zu verankern. "Wir entwickeln von Wien aus die Produkte", erklärt Erel Gürsel, Geschäftsführer von Bentour International. Auch er hat die Erfahrung gemacht, dass die neuen Märkte sehr unterschiedlich angegangen werden müssen, will man Erfolg haben. Ein erster Einstieg erfolgt auch bei Bentour oft über den Verkauf von Packages ab Österreich.

Wechselkursrisiko

Der burgenländische Busreisen-Anbieter Blaguss ist schon seit dem Fall der Mauer in Ungarn mit mehreren Verkaufsniederlassungen vertreten. In Prag ist Blaguss seit drei Jahren.

Unisono erklären die Anbieter, dass Wechselkursabschwächungen gegenüber dem Euro ein beträchtliches Risiko darstellen und sich sofort auf Verkaufszahlen niederschlagen. (Der Standard, Printausgabe 12./13.6.2004)