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Mainz - Der nächste Masernausbruch in Deutschland ist nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO nur noch eine Frage der Zeit. "Natürlich lässt sich das schwer vorhersagen, doch jedes Jahr wächst die Zahl ungeimpfter Kinder und damit die Zahl empfänglicher Personen", sagte John Spika vom WHO-Europabüro auf einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie in Mainz. Da Masern in Zyklen auftreten, rechnet der Experte in zwei bis drei Jahren mit dem Ausbruch.

Spika appellierte, mindestens 95 Prozent der Kinder zweimal gegen Masern zu impfen. Deutschland liege zentral in der Europaregion und beherberge die zweitgrößte Einwohnerzahl. Bis 2010 solle die Zirkulation von Masernviren in Europa unterbrochen werden. "Aber das geht nicht ohne Deutschland", meinte der Experte.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts werden im bundesweiten Durchschnitt die empfohlenen Impfraten nicht erreicht. Die zweite Dosis erhalte sogar nur rund ein Drittel aller Kinder. Sollten die Raten so niedrig bleiben, rechnet Spika mit einem ähnlich großen Ausbruch wie in Süditalien vor zwei Jahren. Damals erkrankten etwa 30.000 Menschen, rund 600 mussten ins Spital, vier Patienten starben.

"Alle Kinder sollen schon im zweiten Lebensjahr zwei Masernimpfungen erhalten", raten Experten im "Impfplan Österreich 2004". Erwartet man in einem der Anrainerstaaten Österreichs eine Masernepidemie, wird auch hierzulande immer wieder vor der Infektionskrankheit gewarnt. Am Institut für Virologie der Universität Wien empfiehlt man ebenfalls, Kinder rechtzeitig impfen zu lassen.

In vielen - auch sehr armen - Ländern ist es bereits gelungen, die Masern durch hohe Impfraten auszusperren, zum Beispiel in ganz Nord- und Südamerika. Neue Fälle werden meist aus dem Ausland eingeschleppt, besonders oft aus Deutschland, Frankreich und Japan. (aw/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./13. 6. 2004)