Riga - Die oppositionelle lettische Nationalistenpartei "Für Vaterland und Freiheit" hat laut von der Nachrichtenagentur LETA in Auftrag gegebenen Exit Polls bei den ersten EU-Wahlen in der Geschichte Lettlands 28,5 Prozent der Stimmen erreicht. Weitere Gewinner der Wahlen ist die Rechtspartei von Ex-Ministerpräsident Einars Repse, "Neue Ära", die rund 21 Prozent erreichen dürfte, sowie die von ethnischen Russen dominierte Linkspartei "Für Menschenrechte in einem geeinten Lettland" (über zehn Prozent).

Die Wahlbeteiligung dürfte wesentlich geringer als von Politikern erhofft ausfallen: Zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale hatte die lettische Wahlbehörde eine Beteiligung von knapp über 38 Prozent bekannt gegeben.

Schwere Schlappe für Regierung

Die derzeit an der mitte-rechts gerichteten Minderheitsregierung beteiligten Parteien Lettlands - die Rechts-Grünen von Ministerpräsident Indulis Emsis, die konservative Bürgerpartei und die "Erste Partei" - erlitten der Nachwahlumfrage zufolge jeweils schwere Schlappen und kommen demnach gemeinsam gerade auf etwas über 18 Prozent. Die Grünen würden mit 4,6 Prozent überhaupt unter die in Lettland auch bei den EU-Wahlen geltende Fünf-Prozent-Hürde fallen.

Beobachter in Riga führen das überraschend starke Abschneiden der Nationalisten (TB/LNNK) auf den Wahlkampf der russischen Politikerin Tatjana Zdanoka von der linken Oppositionspartei "Für Menschenrechte in einem geeinten Lettland" zurück. Dieser könnte viele lettische Wähler dazu bewogen haben, für die TB/LNNK zu stimmen.

Laut lettischer Nachrichtenagentur LETA verweigerten rund 20 Prozent der nach der Stimmabgabe befragten die Auskunft, wen sie gewählt hätten. Darunter seien auffallend viele Russischsprachige gewesen, so LETA. Die Nachwahlbefragung wurde an 70 Wahllokalen unter 2.340 Wählern durchgeführt. 567 weigerten sich, Auskunft zu geben. (APA)