Luxemburg/Brüssel/Vilnius/Straßburg - In 19 europäischen Ländern finden am Sonntag Wahlen zum Europaparlament statt, zudem auch zahlreiche Parlaments-, Präsidenten- und Regional­wahlen in weiteren Ländern. Um 0.00 Uhr startete in Österreich die Wahl der EU-Abgeordneten für die nächsten fünf Jahre. Seit Mitternacht können am Flughafen Wien-Schwechat Reisende mit einer Wahlkarte ihre Stimme abgeben. Die meisten anderen Wahllokale machen zwischen 7.00 und 8.00 Uhr auf. Um 17.00 Uhr schließen die letzten Wahllokale; gegen 19.30 Uhr sollte der Ausgang der Wahl feststehen.

In Griechenland, Ungarn, Litauen und Zypern konnten die Wahlberechtigten ab 06.00 Uhr MESZ ihre Stimmen abgeben. Insgesamt sind am Sonntag die Wähler in 19 EU-Staaten zur Wahl aufgerufen, darunter auch in Deutschland. Die letzten Wahllokale schließen um 22.00 MESZ. Danach sollen die Ergebnisse veröffentlicht werden.

Größte Europawahl

Damit wird am Sonntag die bisher größte Europawahl in der Geschichte der EU enden. 342 Millionen Wahlberechtigte waren in 25 Ländern aufgerufen, ein neues Europaparlament zu wählen. Den Anfang machten am Donnerstag Großbritannien und die Niederlande, ihnen folgen am Freitag Irland und Tschechien, am Samstag Italien, Lettland und Malta. In Italien dauert die Abstimmung zwei Tage.

Die Wähler entscheiden mit ihren Stimmen darüber, wer in den kommenden fünf Jahren in Straßburg und Brüssel ihre Interessen vertreten wird. Dem neuen Parlament werden 732 Abgeordnete angehören - bisher waren es 626. Den zehn neuen EU-Staaten, die am 1. Mai der Union beigetreten sind, stehen zusammen 162 Mandate zu. Deutschland entsendet mit 99 Euro-Abgeordneten die größte Delegation ins Europaparlament. Um die 732 Sitze bewerben sich EU-weit insgesamt 14.670 Kandidaten, die 481 Parteien oder Wählerinitiativen angehören. Rund ein Drittel der Kandidaten (35 Prozent) sind Frauen.

Linksparteien zweiter, Liberale dritter

Es wird damit gerechnet, dass die in der Europäischen Volkspartei (EVP) zusammengefassten Mitte-Rechtsparteien weiterhin die größte Fraktion im Europaparlament stellen werden. Meinungsforscher sehen die Linksparteien auf dem zweiten, die Liberalen auf dem dritten Platz.

Wahlen auch in Luxemburg, Belgien, Italien, Litauen und Serbien

Zusätzlich zur EU-Wahl finden in Luxemburg, Italien, Belgien und Litauen am Sonntag auch wichtige innenpolitische Abstimmungen statt. In Luxemburg wird ein neues Landesparlament gewählt. Nach Umfragen kann die Christlich-Soziale Volkspartei (CSV) von Ministerpräsident Jean-Claude Juncker damit rechnen, wieder stärkste Kraft in dem Großherzogtum zu werden.

In Italien finden Provinz- und Kommunalwahlen statt. Gewählt wird in 50 Prozent der italienischen Gemeinden, etwa in Bologna, Florenz und Bari. Erneuert wird auch die Verwaltung in Sardinien.

Regionalwahlen in Belgien

Auch in Belgien wird der Ausgang der Regionalwahlen mit Spannung erwartet. Den Abstimmungen in Flandern, Wallonien und Brüssel wird Bedeutung für die politische Zukunft der Regierung des liberalen Premiers Guy Verhofstadt beigemessen.

In Litauen stimmen die Wähler zwei Monate nach der Amtsenthebung von Präsident Rolandas Paksas über ein neues Staatsoberhaupt ab. Sollte im ersten Wahlgang keiner der fünf Kandidaten die absolute Mehrheit erreichen, entscheidet am 27. Juni eine Stichwahl zwischen den beiden Erstplatzierten. (APA/dpa)