Washington - Die US-Armee hat einem Zeitungsbericht zufolge bei mindestens 50 Luftangriffen auf hohe irakische Vertreter im Irak-Krieg im vergangenen Jahr Fehlschläge hinnehmen müssen. Grund für die gescheiterten Angriffe seien falsche Geheimdienstinformationen gewesen, berichtete die Tageszeitung "New York Times" am Sonntag unter Berufung auf hochrangige US-Vertreter aus Militär und Geheimdiensten. Bei den Attacken mit Präzisionsbomben, von denen nur wenige öffentlich bekannt geworden seien, seien bisweilen zahlreiche unschuldige Zivilisten getötet worden.

Im ersten Monat des Irak-Kriegs seien neben zwei Angriffen auf den irakischen Präsidenten Saddam Hussein noch mindestens 13 weitere hochrangige Vertreter seiner Regierung und des irakischen Militärs angegriffen worden, berichtete die Zeitung weiter. Im Visier seien unter anderem der stellvertretende Oberbefehlshaber General Izzat Ibrahim und Geheimdienstchef Generalmajor Rafi Abd al Latif Tilfah gewesen, die beide mittlerweile aus dem Untergrund den Widerstand gegen die Besatzungstruppen führten.

"Allesamt nur Ratespiele"

Die "New York Times" zitierte einen anonymen hochrangigen US-Offizier mit den Worten, die Angriffe seien "allesamt nur Ratespiele" gewesen. Innerhalb der Regierung sei noch umstritten, ob die falschen Informationen zu den Aufenthalten der anvisierten irakischen Vertreter auf ein Scheitern der Geheimdienste oder gezielte Desinformation von irakischer Seite zurückzuführen seien. Möglicherweise hätten Doppelagenten oder irakische Offiziere, die damit rechneten, dass ihr Funkverkehr von den USA abgehört wurde, bewusst falsche Informationen gestreut. (APA)