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"Traditionelle" Stimmenabgabe

Foto: REUTERS/Laszlo Balogh
Warschau - Die Rekord-Enthaltung von 80 Prozent der Wahlberechtigten bei der Europawahl in Polen hat das Land nach Ansicht von Präsident Aleksander Kwasniewski in der EU geschwächt. "Wir treten schwach in die Europäische Union ein", sagte Kwasniewski am Montag im staatlichen polnischen Radio. Das Argument des geringen Interesses der Polen an der Europawahl werde gegen das Land benutzt werden, "vielleicht nicht offen, aber hinter den Kulissen", zeigte sich Kwasniewski überzeugt. "Wir werden sarkastische Kommentare hören, dass wir zuerst vor unserer eigenen Tür kehren sollen, bevor wir kontroverse Vorschläge machen." Die große Wahlenthaltung sei ein "Beweis der Unreife" der polnischen Zivilgesellschaft, sagte der Staatschef. In dem osteuropäischen Land lag die Wahlbeteiligung am Sonntag nach Auszählung von 60 Prozent der Wahllokale lediglich bei knapp 20 Prozent und erreichte damit den niedrigsten Wert seit dem Ende des Kommunismus 1989. Polen entsendet 54 Abgeordnete ins Straßburger Parlament; das ist die größte Gruppe der zehn Neumitglieder. Europakritik Den Teilergebnissen zufolge gaben die Polen vor allem der europakritischen Opposition ihre Stimmen: Demnach wurde die konservative Oppositionspartei Staatsbürgerliche Plattform (PO) mit knapp 23 Prozent stärkste Kraft, gefolgt von der ultrakatholischen und anti-europäischen Liga Polnischer Familien mit 16,6 Prozent. Die Bauernpartei kam mit 12,3 Prozent auf den dritten Platz; die gemäßigten Konservativen der PiS erzielten zwölf Prozent. Mit nur neun Prozent landeten die regierenden Sozialdemokraten auf dem fünften Platz. (APA/AP)