Mülheim - Zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren gewann, nach Macht nichts im Juni 2002, ein Stück von Elfriede Jelinek den Mülheimer Dramatikerpreis. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für das beste neue deutschsprachige Stück der zu Ende gehenden Saison wurde ihr für Das Werk in der Inszenierung von Nicolas Stemann am Wiener Burgtheater/ Akademietheater verliehen. Der undotierte Publikumspreis des Festivals ging an den jüngsten Teilnehmer, an Martin Heckmann für sein sprachartistisch lautverschiebendes Generationenkonfliktstück Kränk vom Schauspiel Frankfurt.

Das Resultat der offenen Jurydiskussion in Mülheim gereicht alljährlich den Sportstatistikern unter den Theaterfreunden zum wahren Vergnügen, lassen sich doch die weiteren Platzierungen genau benennen: Die Jelinek setzte sich mit drei zu zwei Stimmen gegen den Titelverteidiger Fritz Kater durch, der unter seinem bürgerlichen Namen Armin Petras seine Stücke auch hocherfolgreich selbst inszeniert. Auf dem dritten Platz landete - ohne Stimme in der Schlussrunde - das Stück des Innsbruckers Händl Klaus Wilde oder Der Mann mit den traurigen Augen in der Produktion des steirischen Herbstes/Graz.

Aus dem Reigen der Stücke wurde nur Moritz Rinkes Die Optimisten durchweg ob der "besserwisserischen Arroganz des Autors seinen Figuren gegenüber" verrissen. Ohne Zweifel wurde mit Jelineks Text, dem Abschluss ihrer Alpentrilogie über den Bau des Stauwerks in Kaprun zu Zeiten des Nationalsozialismus, den anmaßenden Sieg des Menschen über die Natur (seine Natur?), der sprachlich durchgeformteste, abgründigste und wohl auch politisch entschiedenste Text prämiert, wenn auch die erneute Auszeichnung des Regieautoren Kater/Petras für seinen poetisch-brüchigen Text vielleicht zukunftsweisender gewesen wäre. Das Preisträgerstück wird nun auch im August 2004 bei den Salzburger Festspielen aufgeführt. (DER STANDARD, Printausgabe vom 14.6.2004)