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Vielen Bewohnern von Entwick-lungsländern geht es heute schlechter als in den 60er-Jahren: UN-General-sekretär Kofi Annan in Sao Paulo.

Foto: EPA/Barreira
Sao Paulo - Die armen Staaten der Welt sind noch immer weit von einem Durchbruch bei den Verhandlungen mit den reichen Ländern über deren Exportsubventionen für Agrarprodukte entfernt, der eine Blockade bei den Welthandelsgesprächen verhindern soll. Dieses pessimistische Bild zeichnete Brasiliens Chefverhandler Clodoaldo Hugueney vor Beginn der UNO-Konferenz über Handel und Entwicklung (Unctad) am Sonntag in Sao Paulo.

Das am Sonntag eröffnete Unctad-Treffen findet nur wenige Wochen vor dem Abschluss von Verhandlungen der Welthandelsorganisation WTO statt, die bis zum Juli eine Einigung über neue Liberalisierungsschritte erzielen will. Arme Staaten verlangen den Verzicht der reichen auf Milliardensubventionen für ihre Landwirte sowie auf Einfuhrzölle für Agrarprodukte. Die reichen Ländern wollen, dass Entwicklungsländer die Barrieren für den Zugang zu ihren Märkten herabsetzen.

Hoffen auf Juli

Bei der Unctad-Konferenz in Sao Paulo treffen sich die Entwicklungsstaaten, um eine neue Runde zur Beseitigung von Handelshemmnissen einzuleiten. Davor haben sich die Handelsminister der USA, der EU, Brasiliens, Australiens und Indiens zu Vorgesprächen über die WTO-Doha-Runde getroffen. Dem war im September vergangenen Jahres der Abbruch der Gespräche nach einer WTO-Ministerrunde im mexikanischen Cancún vorausgegangen.

Jetzt richten sich alle Hoffnungen auf einen Durchbruch beim WTO-Treffen im Juli. Dabei soll es um Liberalisierungen im Ausmaß von 500 Mrd. US-Dollar gehen. Gelingt es im Juli nicht, zu einer Übereinkunft zu kommen, gelten WTO-Verhandlungen danach aufgrund der US-Wahlen und der Neubestellung der EU-Kommission im Herbst als aussichtslos.

Annans Appell

UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat vor der Konferenzeröffnung am Samstag wachsendes Ungleichgewicht beim weltweiten Wohlstand beklagt. Trotz der globalen Bemühungen, die Armut zu lindern, gehe es vielen Bewohnern von Entwicklungsländern schlechter als in den 60er-Jahren, sagte Annan. Viele dieser Länder hätten zwar seit dem ersten Unctad-Treffen 1964 Fortschritte bei der Steigerung der Lebenserwartung und der Senkung der Sterblichkeitsrate bei Kindern gemacht. Doch müssten diese Fortschritte nun konsolidiert und die Bedürfnisse der Länder berücksichtigt werden, die Rückschläge erlitten hätten. (Reuters, Der Standard, Printausgabe, 14.06.2004)