Als Trendgemeinde gilt traditionell die kleine obersteirische Gemeinde St. Ilgen im Bezirk Bruck an der Mur. Und sie war am Sonntag eine der ersten Gemeinden, die fertig war: Von den 233 Wahlberechtigten gaben 130 Bürger eine gültige Stimme ab, was einer Wahlbeteiligung von 57,08 Prozent entspricht. Auf die SPÖ entfielen dabei 60 Prozent der Stimmen (1999: 56,4 Prozent). Auf die ÖVP entfielen 27,7 Prozent (1999: 22,8 Prozent), auf die FPÖ 3 Prozent (16,8), auf die Grünen 2,3 Prozent (0,67). Die erstmals antretenden Linken erhielten 0,77 Prozent und die Liste Martin 6,15 Prozent.

Auffallend in allen Bundesländern war der Durchmarsch von Martin. In etlichen Gemeinden stieß der unabhängige Kandidat sogar auf den zweiten Platz vor. In Niederösterreich etwa in Traiskirchen, wo Martin hinter der SPÖ (48,3 Prozent) mit 21,6 Prozent auf Platz zwei kam. Die FPÖ stürzte von 23,5 auf 4,6 Prozent ab.

In Au am Leithagebirge verbuchte Martin sogar 23,7 Prozent, das bedeutete ebenfalls Rang zwei hinter der ÖVP mit 45,9 Prozent. Dagegen erwies sich Golling an der Erlauf im Bezirk Melk auch bei der EU-Wahl als "rote Hochburg", Martin kam auf den zweiten Platz. Auf die SPÖ entfielen 70,8 Prozent der Stimmen, was ein Plus von 8,6 Prozentpunkten im Vergleich zu 1999 bedeutete. Die Liste Hans-Peter Martin kam auf 14,9 Prozent der Stimmen, gefolgt von der ÖVP mit 5,4. Die FPÖ büßte 20,6 Prozentpunkte ein und sackte auf 3,6 Prozent ab.

Verluste für Pröll

Leichte Verluste musste die ÖVP bei der EU-Wahl in der Heimatgemeinde von Landeshauptmann Erwin Pröll hinnehmen. Die Volkspartei blieb in Ziersdorf (Bezirk Hollabrunn) mit 46,42 Prozent (minus 0,69 Prozentpunkte im Vergleich mit 1999) jedoch klare Nummer eins.

In Kärnten gab es am Sonntag massive Verluste für die FPÖ, alle anderen Parteien konnten zulegen. Die FPÖ stürzte mit 20 Prozent auf den dritten Platz ab. Wahlsieger sind die Sozialdemokraten, die ÖVP kam auf Platz zwei. Martin blieb in Kärnten Vierter, aber immerhin mit mehr als elf Prozent.

Starke Verluste für die Freiheitlichen und fast ebenso hohe Gewinne für die Liste von Hans-Peter Martin gab es auch im Burgenland.

Im steirischen Kapfenberg verdrängte Hans-Peter Martin die ÖVP auf den dritten Platz. Die SPÖ kam auf 62,2 Prozent, Martin auf auf 15,2 und die ÖVP auf 11 Prozent. In Knittelfeld, dem Ort des freiheitlichen Aufstands gegen die ehemalige Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, stürzte die FPÖ von 22,2 auf 5 Prozent ab. Hans-Peter Martin kam auf Anhieb auf 13,8 Prozent. Als Erste behauptete sich die SPÖ mit 44,7 Prozent.

In Tirol kam es zu einem Stimmenaustausch zwischen FPÖ und der Liste Hans-Peter Martin. Die Freiheitlichen verloren knapp 17 Prozentpunkte und stürzten auf fünf Prozent ab. Hans-Peter Martin kam auf Anhieb auf 16 Prozent und war damit fast gleich stark wie die SPÖ, die 2,8 Prozentpunkte verlor und 16,5 Prozent erreichte. Über Stimmengewinne durfte sich auch die ÖVP freuen. Sie legte um mehr als fünf Prozentpunkte auf 49 Prozent zu.

Grünes Transitthema

In klassischen Transitgemeinden haben die Tiroler Grünen bei der Europaparlamentswahl am Sonntag klar zulegen können. Überholt wurden sie in diesen Orten aber zum Großteil von Hans-Peter Martin, der sich klar vor den Grünen zumindest als drittstärkste Kraft in Tirol etablieren konnte.

In Vorarlberg erreichte die ÖVP 39,7 Prozent, die SPÖ 18,6, knapp gefolgt von Martin mit 16,9 Prozent. Die Grünen liegen mit 16 Prozent auf dem vierten Platz, die FPÖ stürzte auch hier ab - von 28,3 auf 8,3 Prozent. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.6.2004)