Brüssel - Bei der ersten Wahl des geeinten Europas für ein gemeinsames Parlament haben die amtierenden Regierungen vieler Mitgliedstaaten herbe Verluste hinnehmen müssen. So erlitten die deutschen Sozialdemokraten am Sonntag einen bitteren Denkzettel. Aber auch die Regierungen in Frankreich, Tschechien, Dänemark und Portugal gingen als Verlierer hervor. In Österreich traf dies auf die FPÖ zu. Die Beteiligung lag durchschnittlich bei 44,2 Prozent und damit auf einem Rekordtief, vor allem wegen der geringen Beteiligung in den zehn neuen Ländern.

In Deutschland kamen CDU/CSU auf rund 45 Prozent und würden damit 49 der 99 deutschen EU-Abgeordneten stellen. Die SPD musste mit rund 22 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis überhaupt hinnehmen und käme nur auf 24 Mandate. Die Grünen gewannen elf Prozent und zwölf Mandate. PDS und FDP kamen auf jeweils sechs Prozent und stellen danach je sieben Abgeordnete. Vor fünf Jahren war die FDP noch an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert.

Die regierenden Konservativen des französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac (UMP) kam nur auf 16,5 Prozent. Dies entspräche 16 der 78 Sitze des Landes. Die oppositionellen Sozialisten (PS) gewannen 30 Prozent und 31 Sitze. Die rechtsextreme Front National fuhr zehn Prozent ein, was acht Sitze im Straßburger Parlament entspräche.

Auch in Tschechien musste Ministerpräsident Vladimir Spidla seine Niederlage einräumen. Die oppositionelle Demokratische Bürgerpartei (ODS) kam auf 31 Prozent oder neun der 24 Sitze des Landes. Die Kommunistische Partei erzielte 17 Prozent oder fünf Sitze. Die regierenden Sozialdemokraten kamen auf 10,5 Prozent oder drei Sitze, ihre christlich-demokratischen Koalitionspartner erreichten acht Prozent oder zwei Sitze.

Siegreich waren auch die oppositionellen Sozialdemokraten in Dänemark. Der Liberalen Partei von Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen wurde dagegen ein Verlust von zwei ihrer bislang fünf Sitze vorhergesagt. Auch in Portugal setzten sich die Sozialisten gegen die konservative Koalitionsregierung durch. In Malta verloren die regierenden Nationalisten.

Aus der ersten Europawahl in Slowenien gingen dagegen die regierende Liberaldemokratische Partei (LDS) und die konservative Liste Neues Slowenien mit nahezu gleichem Stimmenanteil als Sieger hervor. Auch in Griechenland siegte die regierende Partei Neue Demokratie von Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis mit 42,5 Prozent. Sie hatte erst bei der Parlamentswahl im März die elfjährige Herrschaft der Sozialistischen Partei von Georgios Papandreou beendet.

Besonders in Polen zeichnete sich eine geringe Wahlbeteiligung ab. Vier Stunden vor Schließung der Wahllokale lag sie nur bei 15,4 Prozent. In den alten EU-Staaten lag die Beteiligung bei 47,7 Prozent, in den neuen sogar nur bei 28,7 Prozent.

In Spanien gewannen drei Monate nach ihrem Sieg bei der Parlamentswahl die Sozialisten (PSOE) auch die Europawahlen. Die Partei von Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero kam nach einer Hochrechnung auf 43,3 Prozent der Stimmen. Die konservative Volkspartei (PP) kam auf 41,3 Prozent. Die PP hatte die Abstimmung zur Revanche für die Parlamentswahl vom 14. März erklärt, die unter dem Eindruck der Madrider-Anschläge mit 191 Toten drei Tage zuvor gestanden hatte.

In Finnland behieöten die Regierungsparteien des Zentrums (23,3 Prozent), der konservativen Sammlungspartei (23,7 Prozent) und der Sozialdemokraten (21 Prozent) am Sonntag ihre drei bzw. vier Sitze im EU-Parlament behalten. Die Grünen (10,4 Prozent) verloren einen von zwei Sitzen, die Christdemokraten ihren einzigen Abgeordneten, während die Linksallianz (9,1 Prozent) und die Schwedische Volkspartei weiterhin einen Abgeordneten stellen.

Insgesamt bewarben sich 14.670 Kandidaten um die 732 Sitze. Aufgerufen waren rund 349 Millionen Wahlberechtigte. Im scheidenden EU-Parlament hatten die Konservativen 295 der 788 Mandate. Die Sozialdemokraten kamen auf 232, die Liberalen auf 67, die Grünen auf 47 und die Sozialisten auf 55 Mandate. (APA/AP/dpa)