Wien - In zwei Wochen schon könnte entschieden sein, an wen die Investkredit verkauft wird. Vor zwölf Tagen erst hat die BAWAG P.S.K. als zweitgrößte Aktionärin die übrigen Bankpartner im Aktionärspakt (Syndikat) wissen lassen, dass sie aus der Wiener Spezialbank aussteigen will. Nun wollen auch die übrigen Großbanken aussteigen. Als neuer Mehrheitseigentümer der Investkredit ist eine ausländische Bank im Gespräch. Favorisiert wird zur Zeit die deutsche Industriebank IKB, weil "logischer" strategischer Partner. Doch auch die französische Natexis und der niederländische Industriefinancier NIB gelten als interessiert.

Treffen der Aufsichtsräte am Mittwoch

Mitte dieser Woche wollen die Altaktionäre der auf Unternehmensfinanzierung spezialisierten Investkredit (zu 86 Prozent Großbanken und Versicherer) das Procedere verhandeln, hieß es heute, Montag, von informierter Seite zur APA. Für diesen Mittwoch ist ein Treffen der Aufsichtsräte angesetzt.

Am Mittwoch werde aber wohl noch keine Entscheidung über den möglichen Käufer fallen, heißt es. Das sollte aber jedenfalls "bis Ende Juni, Anfang Juli" der Fall sein, verlautete am Montagvormittag in Eigentümerkreisen. "Derzeit gibt es aber noch kein Papier."

IKB kann "mit vernünftigem Preis sofort einsteigen"

Mit der deutschen Mittelstandsbank IKB (Deutsche Industriebank) kooperiert die Investkredit seit längerem, sie war seit Jahren Vorbild für die strategische Ausrichtung, seit kurzem wird auch im Bereich Kreditverbriefungen zusammen gearbeitet. Dem Vernehmen nach wäre die IKB der "logische Partner" für die Investkredit, allerdings für den Fall dass vorher die Mehrheitstochter Kommunalkredit aus der Investkredit herausgelöst würde. "Falls die IKB die Investkredit haben will und einen vernünftigen Preis zahlt, kann sie sofort einsteigen", zitierte am Montag auch die "Financial Times Deutschland" Investkredit-Eigentümerkreise, woraus gefolgert wird, dass die Aktionäre der IKB offen ihre Anteile andienen wollten.

Seit vorigem Freitag gilt die börsenotierte Investkredit jedenfalls auch offiziell als Übernahmekandidat. Der Wert der Bank (Gruppen-Bilanzsumme: Ende des ersten Quartals: knapp 20 Mrd. Euro) wird auf 550 bis 600 Mio. Euro taxiert. Kommt ein maßgeblicher Eigentümerwechsel zu Stande, wird ein Übernahmeangebot für den börsenotierten Streubesitz erwartet.

Umbau auch bei Kommunalkredit erwartet

Mit der Neuordnung des Aktionärskreises bei der Investkredit geht höchstwahrscheinlich, voraussichtlich noch vorher, auch ein Umbau der Eigentümerschaft in der Kommunalkredit einher. Die Kommunalkredit (die auf Gemeindefinanzierungen und PPP-Modelle spezialisiert ist, Bilanzsumme Ende 2003: knapp 10 Mrd. Euro) gehört derzeit noch zu 51 Prozent der Investkredit und zu 49 Prozent der französischen Dexia. Einige Großbanken haben vor, Teile ihrer bisherigen Investkredit-Aktienpakete in die Kommunalkredit "umzuschaufeln." Ob das mit dem Herauslösen so läuft, soll Gegenstand der Diskussionen in den nächsten Tagen und Wochen sein.

Denn es sei auch möglich, dass Dexia - die ebenfalls international stark in öffentlichen Finanzierungen tätig ist - auf eine Mehrheit in der Kommunalkredit aufstockt, hieß es heute zur APA. "Die Dexia wollte immer schon nur die Kommunalkredit." Der Wert der Kommunalkredit allein wird auf 400 bis 500 Mio. Euro geschätzt. Vor allem in den letzten Jahren hat die Kommunalkredit stark nach Osteuropa expandiert und erst im März d.J. eine Milliardenanleihe begeben. (APA)