Leipzig - Vier ehemalige Erzieher eines DDR-Heimes für schwer erziehbare Kinder und Jugendliche im sächsischen Meerane müssen sich seit Montag vor dem Leipziger Landgericht verantworten. Die Anklage wirft den drei Männern und einer Frau vor, sich des Missbrauchs Schutzbefohlener, der sexuellen Belästigung sowie der Freiheitsberaubung schuldig gemacht zu haben. Fast zwanzig Jahre nach den Vorkommnissen soll jetzt eine juristische Aufarbeitung des Geschehens erfolgen.

Der ehemalige Leiter des Heimes und seine drei früheren Mitarbeiter waren ins Visier der Justiz geraten, nachdem ein früherer Heimbewohner ein Buch über die Drangsalierungen veröffentlicht und die Ermittlungen ins Rollen gebracht hatte. Der heute 29-Jährige hatte von Schlägen, Peitschenhieben, Fußtritten, Kellerarrest sowie sexuellen Misshandlungen während der Nachtwachen und unter der Dusche berichtet.

Das Chemnitzer Landgericht hatte ein erstes Verfahren eingestellt, da es meinte, die in den 80er Jahren begangenen Taten seien verjährt. Der Bundesgerichtshof hob dieses Urteil vor drei Jahren jedoch auf und ordnete an, dass ein neuer Prozess vor dem Leipziger Landgericht anzusetzen sei. Für das Verfahren sind zunächst 18 Verhandlungstage angesetzt, an denen unter anderem fast 50 Zeugen gehört werden sollen. Ein Urteil wird nicht vor Oktober erwartet.(APA/AP)