Wien - Der systematische Einsatz von Massenmedien war keine Erfindung im Zweiten Weltkrieg. Wie aus einer vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) unterstützten Projekt des österreichischen Fotohistorikers Anton Holzer hervorgeht, wurden Fotos zu Propagandazwecken schon durch die österreichisch-ungarische Monarchie im Ersten Weltkrieg eingesetzt, heißt es in einer Aussendung des FWF am Montag. Das Thema "Foto-Krieg" stand auch im Mai auch Mittelpunkt einer Tagung des Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK).

Bei einer systematischen Durchforstung des Fotobestandes am Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) stellte Holzer fest, dass Fotografien im Ersten Weltkrieg anfänglich vor allem im Vermessungswesen eingesetzt und neben anderen Medien, etwa der Zeichnung und der Lithographie, zur allgemeinen Dokumentation des Kriegsgeschehens verwendet wurden. Bald sei aber das Potenzial der Fotografie als Propaganda-Mittel erkannt worden. Fotografien der Kriegsschauplätze sollten dann etwa den eigenen Kampf "heldenhaft, tapfer und erfolgreich" darstellen.

Zensur

Die Aufnahmen waren - wie bis heute in der Kriegsführung üblich - einer strengen Zensur unterworfen. "Viele Aspekte des Krieges durften im Interesse einer zielgerichteten Medien-Propaganda nicht abgebildet werden. So waren die toten Soldaten auf den Schlachtfeldern immer Tote des Gegners. Die Hinweise auf eigene Tote blieben indirekt. Abgelichtet wurden nur Beerdigungen und Gedenkfeiern", so Holzer.

Zur Umsetzung dieses Bild-Propaganda-Einsatzes wurden professionelle Fotografen offiziell vom "k. u. k. Kriegspressequartier" beauftragt, fand der Historiker weiters heraus. In der zweiten Kriegshälfte wurden dann zunehmend auch Amateurfotografen in dieses Propagandanetz eingespannt. Die zensurierten Aufnahmen wurden an die in- und ausländische Presse weitergereicht, in Ausstellungen gezeigt und als Fotoplakate ausgehängt.

Heerschau

"Auffallend ist, dass diese Fotografen nicht nur den Krieg an der Front dokumentieren, sondern auch abseits vom Kriegsgeschehen die gewaltige Logistik des Krieges festhalten", erklärte Holzer. In diesen Fotografien werde die riesige Maschinerie des Krieges sichtbar. Der Erfolg der österreichischen Kriegsanstrengungen sei gleichsam in allen Bereichen vorgeführt worden.

Das würden etwa Fotos von Telefon- und Funkanlagen belegen, sowie Aufnahmen vom erfolgreichen Bahn- und Straßenbau, von Nachschublagern sowie von Nahrungsmittellieferungen. Aber auch auf den Fotos von erbeuteten Waffen und gefangenen Soldaten, von Flüchtlingen und Zwangsarbeitern sei der Propagandazweck auszumachen.(APA)