Istanbul/Jerusalem - Der türkische Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer hat am Montag scharfe Kritik an der israelischen Okkupationspolitik gegenüber den Palästinensern geübt. Bei der Eröffnung der Außenministertagung der Islamischen Konferenz-Organisation (OIC) in Istanbul sagte Sezer: "Wir ignorieren nicht die Sorge Israels um seine Sicherheit. Doch die unverhältnismäßige Anwendung von Gewalt, die zu nichts anderem als zur Eskalation der Spannungen führt und Zivilisten schweres Leid zufügt, halten wir für einen großen Fehler."

Eine gerechte Lösung des israelisch-arabischen Konflikts sei die Grundvoraussetzung für erfolgreiche Reformen in der Region, unterstrich Sezer in seiner Rede. Der Nahost-Konflikt, die Situation im Irak und die auf Betreiben der USA beim G8-Gipfel beschlossene Initiative für demokratische Reformen im Nahen und Mittleren Osten stehen im Mittelpunkt der dreitägigen OIC-Tagung. Der OIC gehören 57 Länder an. Es müssten konkrete Schritte für eine gerechte und dauerhafte Lösung des Palästina-Konflikts unternommen werden, damit sich die Länder der Region die Konzepte zur Modernisierung und Demokratisierung zu Eigen machen könnten.

Wie Sezer appellierte auch der tunesische Außenminister Habib Ben Yehia an die Führungen der islamischen Länder, ihrer Verantwortung für Reformen gerecht zu werden. Dagegen meinte Indonesiens Außenminister Hasan Wirayuda, die in der Region lebenden Menschen müssten entscheiden, ob die Nahost-Initiative der G8-Staaten für sie gut sei oder nicht.

Die israelische Armee hat unterdessen mit dem Abbau von etwa einem Drittel der Hindernisse für den palästinensischen Verkehr im besetzten Westjordanland begonnen. Insgesamt sollen etwa 40 aus Zementblöcken oder Erdwällen errichtete Blockaden abgebaut werden, verlautete aus israelischen Militärkreisen. Von den Erleichterungen sei insbesondere das nördliche Westjordanland betroffen, weil dort die Sperranlage bereits in weiten Teilen fertig gestellt sei, hieß es. Der Anführer der radikalen Al-Aksa-Brigaden in Jenin im nördlichen Westjordanland kündigte an, seine Gruppe wolle nach einem israelischen Abzug ihre Angriffe einstellen. Al-Aksa-Führer Sakaria Subeidi sagte dem israelischen Rundfunk, wenn die israelischen Truppen abzögen und vier nahe gelegene Siedlungen im nördliche Westjordanland räumten, würden seine Kämpfer Angriffe beenden und auch die militanten Gruppierungen Hamas und Islamischer Heiliger Krieg davon abhalten. Er habe dies Repräsentanten der palästinensischen Führung zugesichert, sagte Subeidi, der bisher als Hardliner galt und jede Waffenruhe mit Israel abgelehnt hatte. (APA/dpa)