Nach der gescheiterten Übernahme des hochverschuldeten Kabelnetzbetreibers Primacom durch die Hauptgläubiger will das Unternehmen seinen Wert neu prüfen und vorerst nicht Insolvenz beantragen.

"Es wird im Moment kein Insolvenzantrag gestellt", sagte am Montag der neue Aufsichtsratsvorsitzende Heinz Eble der Nachrichtenagentur Reuters. Vielmehr werde ein Bewertungsgutachten geprüft, dass der inzwischen abberufene Vorstand in Auftrag gegeben habe. Der alte Vorstand hatte unter Berufung auf das Gutachten auf der Hauptversammlung in der vergangenen Woche für die Übernahmeofferte geworben und für den Fall einer Ablehnung eine Insolvenz Primacoms als nahezu unausweichlich bezeichnet. Die Aktionäre hatten das Angebot jedoch abgelehnt.

Eble sagte, eine vorläufige neue Bewertung solle in "ein paar Wochen" vorliegen. Zudem gebe es weitere Gespräche mit den Hauptgläubigern. Eble schloss nicht aus, dass es doch noch zu einer Einigung kommen könne.

Nach dem ursprünglichen Angebot sollte Primacom das operative Geschäft sowie sämtliche Darlehensforderungen an die BK Breitband Kabelnetz Holding GmbH verkaufen. Im Gegenzug sollte die BK Breitband Kabelnetz Holding sämtliche ausstehenden zweitrangigen Darlehensforderungen in Höhe von rund 448 Mio. Euro übernehmen. Gesellschafter der BK sind der US-Finanzinvestor Apollo und die Bank JP Morgan Chase.

Das Übernahmeangebot in Höhe von 25 Cent je Aktie hatte auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) als deutlich zu niedrig kritisiert. Der Kurs lag am Montag bei 63 Cent je Aktie.

Der inzwischen abberufene Finanzvorstand Stefan Schwenkedel hatte erklärt, es gebe zu der Transaktion keine Alternative, da Primacom ansonsten "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" Insolvenz beantragen müsse. Zu der Höhe des Angebots sagte er, der Vorstand habe lange für einen höheren Preis gekämpft, dieser sei aber nicht durchsetzbar gewesen. Apollo hatte eine Erhöhung des Angebots abgelehnt.

Auf der Hauptversammlung hatten die Aktionäre dem alten Vorstand das Vertrauen entzogen. Die Vorstandsposten von Schwenkedel und Jens Kircher übernahmen inzwischen Hans Werner Klose und Toni Merin. (APA/Reuters)