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Aufsichtsratschef Kadrnoska: Chancen durch Doppelnotierungen für heimische Unternehmen.

Foto: APA/BARBARA GINDL

Infografik: Der Wiener ATX hat die Großen abgehängt

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Infografik: Aktienmarktkapitalisierung

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Standard: Die Wiener Börse hat noch nie so viele positive Schlagzeilen produziert: Der Leitindex ATX entwickelt sich besser als die "großen" Kollegen, die Kapitalisierung ist auf über 50 Milliarden Euro gestiegen - das ist allerdings nur etwa die Kriegskasse von Microsoft -, und die Österreicher haben die Budapester Börse gekauft. Auf welchem Weg ist die Börse?

Kadrnoska: Wir müssen bescheiden bleiben. Die Wiener Börse ist als Heimatbörse gut aufgestellt, und sie wird jetzt gut verkauft. Jeder internationale Fonds kennt unsere Firmen heute. Das war vor einigen Jahren noch nicht so. Wir haben viel Marketing betrieben, um aus dem Dornröschen-Image rauszukommen. Und die Aktienkultur hat sich in diesem Land sehr verbessert.

Alles im Rahmen unserer Möglichkeiten, denn wir müssen uns darüber klar sein, dass bei uns nur fünf, sechs Unternehmen im ATX groß genug sind, um auch an einer Börse wie Frankfurt oder London zu notieren. Aber ich glaube, dass wir mit der zentraleuropäischen Achse mit Budapest als ersten Schritt wachsen können.

Standard: Was bringt das den börsennotierten Unternehmen?

Kadrnoska: Wir müssen mittelfristig zu einheitlichen Handelssystemen kommen, aber Doppelnotierungen etwa machen für die größeren Unternehmen jetzt durchaus Sinn, vor allem, weil lokale Fonds dann in diese Firmen investieren können. Wir haben ja zwei schon erfolgreiche Beispiele dafür. (Erste Bank mit Notiz in Prag und BA-CA in Warschau, Anm. d. Red.)

Standard: Die Warschauer Börse soll gegen Jahresende privatisiert werden. Wollen die Wiener wieder kaufen?

Kadrnoska: Wir werden uns bemühen, unsere mittelzentraleuropäische Achse weiterzubauen - aber dazu brauchen wir Investoren. Wie die Struktur am Ende des Tages ausschaut, kann ich derzeit nicht sagen. Jedenfalls werden wir uns nicht hinsetzen und beweinen, dass wir so klein sind.

Denn diese osteuropäischen Märkte stehen am Beginn einer Entwicklung, die Karten werden jetzt gemischt. Die gesamte Fondsindustrie versucht, sich in Stellung zu bringen - und es gibt viel Geld, das seine Anlage sucht.

Standard: Die Wiener Börse selbst wirbt heftig um mehr Angebot an notierten Firmen. Die Raiffeisen-Osteuropa-Holding gehört wohl dazu?

Kadrnoska: Ja, wir brauchen solche Unternehmen - es gibt noch genug börsenfähige Firmen in diesem Land. Ich wünsche mir, dass noch mehr Privatisierungen über die Börse abgewickelt werden.

Standard: Mehr "Volksaktien", wie die Telekom Austria?

Kadrnoska: Mehr Aktien. So etwas wie eine Volksaktie gibt es nicht, das signalisiert unrichtige Inhalte, das ist Marketing.

Standard: Die beiden Vorstände sollen nicht das beste Einvernehmen haben - haben Sie Präferenzen für die künftige Besetzung?

Kadrnoska: Die Arbeit funktioniert gut, das interessiert mich. Im Herbst werden wir uns im Aufsichtsrat mit einer vermutlich breiten Bewerberliste beschäftigen. (Karin Bauer/DER STANDARD Printausgabe, 15.06.2004)