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Uwe Scheuch fordert von der FPÖ eine glaubhafte Politik ein.

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"Wir haben freiheitliche Grundsätze verlassen", beklagt der Kärntner FPÖ-Abgeordnete Uwe Scheuch. Die Regierungsbeteiligung sei als Chance nicht genutzt worden, sagt er zu Michael Völker.

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STANDARD: Was hat die FPÖ bei den Wahlen falsch gemacht?

Scheuch: Wir haben in den letzten Jahren viele freiheitlichen Grundsätze verlassen, gerade was eine EU-kritische Haltung betrifft. Deswegen haben uns EU-kritische Wähler diesmal nicht das Vertrauen geschenkt.

STANDARD: Sondern Hans-Peter Martin.

Scheuch: Natürlich hat Martin auch freiheitliche Wähler angesprochen, aber er hat andere EU-kritische Wähler angesprochen. Wir haben sachthematisch viel verloren, indem wir der Erweiterung zugestimmt haben, indem wir die Temelín-Frage nicht genug erörtert haben, in dem wir indirekt durch die Regierungsbeteiligung auch zugelassen haben, dass in Norwegen ein neues Atomkraftwerk gebaut wird. Oder die Transitfrage. Es gibt leider viele Dinge, wo wir aufgrund der Regierungsbeteiligung freiheitliche Grundsätze verlassen haben.

STANDARD: Muss die FPÖ in der Situation nicht einen Neubeginn wagen? Soll sie in die Opposition gehen?

Scheuch: Kein freiheitlicher Funktionär kann nach so einem Wahlergebnis zur Tagesordnung übergehen. Es ist sicher so, dass Veränderungen im Personellen, Strukturellen, aber auch in der Ausrichtung der Linie dringend erforderlich sind. Es wird wichtig sein, diesen Kärntner freiheitlichen Weg verstärkt weiterzugehen.

STANDARD: Spielt die Frage der Regierungsbeteiligung eine Rolle?

Scheuch: Die Regierungsbeteiligung ist eine Riesenchance, wenn man sie nutzt. Wir haben diese Chance nicht genutzt.

STANDARD: Ist Herbert Haupt der richtige Parteichef?

Scheuch: Es wird sicherlich dringend erforderlich sein, über personelle, strukturelle und inhaltliche Änderungen zu sprechen. Es ist klar, dass wir Strategien und Wege finden müssen, wie man hier Veränderungen herbeiführt - aber ohne sie vorher in der Öffentlichkeit zu diskutieren.

STANDARD: Andreas Mölzer hat Sie und den Wiener FP-Chef Heinz-Christian Strache als möglichen Parteiobmann ins Spiel gebracht.

Scheuch: Wenn Andreas Mölzer das sagt, bin ich zweigeteilt. Einerseits ist es schön, als Ressource einer Partei genannt zu werden. Man sollte diese Dinge aber vorher besprechen. Für mich ist es wichtiger, dass ich diese glaubwürdige Politik wieder finde, als eine entscheidende Rolle in der Bundespolitik zu spielen. Es ist widersinnig, eine Diskussion vom Zaun zu brechen, ohne vorher die Leute gefragt zu haben, ob sie wollen oder nicht.

STANDARD: Treibt Mölzer hier einen Keil hinein?

Scheuch: Ich bin ein tief verwurzelter Freiheitlicher. Ich werde mich sicher nicht dazu benutzen lassen, dass irgendwo ein Keil hineingetrieben wird. Wir haben alle eine schwere Niederlage eingefahren und sind alle aufgerufen, etwas zu verändern. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.6.2004)