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Schwarzer Zauber: Die niederländischen Anhänger setzen vor dem Match gegen Deutschland auf Voodoo-Taktik. Der neunjährige Miles Kooren zeigt den Gebrauch der dem Magazin "Panorama" beigelegten Deutschland-Puppe.

Foto: Reuters/Kooren
Porto - Das Estadio do Dragao, in Porto bietet 52.000 Zuschauern Platz, den wird man brauchen. Im "Stadion des Drachens" treffen im zweiten Spiel der Gruppe D Deutschland und die Niederlande aufeinander, ein Spiel, das seit dreißig Jahren unter dem Titel "Klassiker" firmiert.

Die Deutschen, zuletzt durch eine 0:2-Niederlage gegen eine ungarische Reserveelf arg gedemütigt, tun vor dem Anpfiff das einzig Vernünftige, sie reden sich stark. Kapitän Oliver Kahn hat "ein Gefühl", es ist " exakt das gleiche wie vor der WM 2002". In Japan und Südkorea waren die Deutschen Vizeweltmeister, die Voraussetzungen für einen ähnlichen Erfolg sieht der Tormann des FC Bayern unter folgenden Voraussetzungen gegeben: "Wenn wir als totale Einheit auftreten und jeder Einzelne sein Bestes gibt." Die Geschichte, sagt Kahn, könnte Deutschland Inspiration verleihen.

"Die Vergangenheit hat gezeigt, wir können und wollen zusammenfinden, uns steigern und erfolgreich sein." Spielmacher Michael Ballack tut es seinem Kollegen nach, positives Denken lautet das DFB-Gebot der Stunde: "Wir haben immer gezeigt, wenn's drauf ankommt, sind wir da." Als nahezu gesicherte Erkenntnis gilt, dass Teamchef Rudi Völler mit Kevin Kuranyi nur eine Spitze aufbieten wird, dafür soll Frank Baumann von Double-Gewinner Werder Bremen das defensive Mittelfeld verstärken. Vor Kahn wird eine Viererkette aus Arne Friedrich, Jens Nowotny, Christian Wörns und Philipp Lahm verteidigen. Ballack sieht Völler in einer Schlüsselrolle: "Michael soll möglichst oft in Tornähe kommen, dort ist er am stärksten."

Ganz andere Dinge beschäftigen derzeit die Niederländer, seit sie die Qualifikation für Portugal nur über den Umweg der Barrage (gegen Schottland) schafften, ist die Presse dem Bondscoach Dick Advocaat alles andere als wohlgesonnen. Nach zuletzt schwachen Testspielergebnissen haben zudem Altstars wie Johan Cruyff, Ruud Gullit sowie Exnationaltrainer Louis van Gaal das Wort gegen den 56-Jährigen erhoben, für das einflussreiche Fachblatt "Voetbal International" ist Advocaat "nicht mehr als ein hochgestolperter Hilfstrainer, der mit Dollarzeichen in den Augen durch die Gegend läuft". Unabhängig vom Ausgang der EM wird bereits offen über Advoccats Nachfolger spekuliert, dabei deutet alles auf Guus Hiddink vom PSV Eindhoven hin, der die Mannschaft schon bei der WM 1998 betreute.

Noch aber sitzt Advocaat am Ruder, er sagt: "Wartet mit dem Abschlachten, bis wir gegen Deutschland gespielt haben." Sein Team habe er "längst im Kopf", verraten indes will er es bis zuletzt nicht. Fix ist dagegen der Ernährungsplan, der Trainer hat Oranjes Kickern Pferdesteaks verschrieben. Weil Nahrungsergänzungsmittel aufgrund der Dopingproblematik tabu sind, soll auf diese Weise dem Muskelaufbau nachgeholfen werden. "Im Pferdemuskel sitzt die Energiequelle", sagt Mannschaftsarzt Gert Jan Goudswaart.

Aufreger van Nistelrooy Für Diskussionen sorgt derweil Stürmer Ruud van Nistelrooy, er räumt dem Duell mit dem Nachbarn besonderen Stellenwert ein: "Hier geht's nicht nur um bisherige Fußballduelle, sondern auch rechtliche Hintergründe. Vor allem um das, was vor 60 Jahren passiert ist."

Personell rechnet man bei den Niederländern eher nicht mit Überraschungen, Innenverteidiger Wilfred Bouma klagt über eine leichte Achillessehnenreizung, wird aber spielen können. Die Stürmerstars Roy Makaay und Patrick Kluivert müssen auf der Bank Platz nehmen, Ersterer grollt über diese Rolle. "Ich bin sicher, die Deutschen haben Angst vor mir. Psychologisch wären wir mit mir doch klar im Vorteil", sagt der Bayern-Stürmer. (sid, sjk)

Dienstag:
  • Deutschland - Niederlande (Dragao-Stadion in Porto, 20.45 Uhr/MESZ, Schiedsrichter Anders Frisk/Schweden)

    Deutschland: Kahn - Friedrich, Wörns, Nowotny, Lahm - Schneider, Baumann, Hamann, Ballack, Frings - Kuranyi

    Niederlande: Van der Saar - Heitinga/Reiziger, Bouma, Stam, Van Bronckhorst - Sneijder, Cocu, Davids - Van der Meyde, van Nistelrooy, Van der Vaart