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Maria Vassilakou: Das EU-Wahlergebnis bestätigt den Kurs der Grünen.

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Einen fliegenden Wechsel der ÖVP zu den Grünen lehnt Maria Vassilakou ab. Neuwahlen würden die "Chance auf einen Kurswechsel" bringen, sagt die nicht amtsführende Wien-Stadträtin zu Peter Mayr.

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STANDARD: Sind Sie froh, dass der EU-Wahlkampf vorbei ist?

Vassilakou: Sicher bin ich das. Jetzt haben wir die Möglichkeit, uns verstärkt wieder der Wiener Politik zuzuwenden.

STANDARD: Welche Auswirkung erwarten Sie durch das Ergebnis auf die Bundespolitik?

Vassilakou: Für die Grünen heißt es: Unser Kurs wurde bestätigt. Ob Schwarz-Blau halten wird, müssen Sie den Herrn Schüssel fragen.

STANDARD: Es gibt aber schon wieder Gerüchte über einen fliegenden Wechsel der Schwarzen zu den Grünen?

Vassilakou: Die Grünen haben wiederholt erklärt, dass wir dafür nicht zur Verfügung stehen. Sollte es die Regierungskoalition zerreißen, dann ist es selbstverständlich, dass es Neuwahlen gibt. Danach wird man sehen, was kommt.

STANDARD: Ein Meinungsumschwung ist ausgeschlossen?

Vassilakou: Ich sehe keine Veranlassung, diese Meinung zu ändern. Ganz im Gegenteil: Gerade dieses Wahlergebnis zeigt, wie sehr die politische Landschaft in Bewegung ist. Und da ist es sinnvoll, Neuwahlen anzustreben.

STANDARD: Sie würden jetzt also Neuwahlen empfehlen?

Vassilakou: Die Regierung hat äußerst unpopuläre und von den Grünen vehement bekämpfte Maßnahmen getroffen. Warum sollen wir dafür sein, dass sie weitermacht? Warum sollen die Grünen dafür sein, dass sie weiter an der Macht bleibt? Wir hoffen, dass es bald Neuwahlen gibt - und damit die Chance auf einen Kurswechsel.

STANDARD: Dann ist Schwarz-Grün aber eine gute Option?

Vassilakou: Warten wir einmal das Wahlergebnis ab.

STANDARD: Waren Sie überrascht, dass Hans-Peter Martin die Grünen klar auf Platz vier verwiesen hat?

Vassilakou: Ja, etwas. Die Ursachen liegen wohl darin, dass sehr viele Menschen mit der Art und Weise, wie die Großparteien Politik machen, unzufrieden sind. Jetzt gilt es jene Protestwähler- und -wählerinnen, die Martin gewählt haben, zu überzeugen, dass sich eine konstruktive Protestpolitik, für welche die Grünen stehen, mehr lohnt.

STANDARD: Vergleicht man die beiden Wahlergebnisse, dann dürfte das schwer werden.

Vassilakou: Wien kann hier als Vorbild dienen. Das Wiener Ergebnis spricht Bände. Wir haben in Wien Martin um acht Prozent geschlagen.

STANDARD: In Wien wurden die Grünen zweitstärkste Kraft. Kann man dieses hohe Potenzial bei den Landeswahlen 2006 wieder gewinnen?

Vassilakou: Natürlich ist das ein Motivationsschub. Wir werden unsere Politik fortsetzen, sie wurde durch das Ergebnis ja bestätigt.

STANDARD: Bei der Landesversammlung am Sonntag wollen Sie zur Spitzenkandidatin für diese Wahl gewählt werden. Gibt es Gegenkandidaten?

Vassilakou: Nein.

STANDARD: Wann werden Sie auch Klubchefin?

Vassilakou: Jetzt gilt es einmal, am Sonntag gewählt zu werden. Den Rest werden wir danach in Ruhe entscheiden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.6.2004)