Lyon - Die europäischen Stromerzeuger verlangen von der Politik ein Umfeld, das der Branche eine größtmögliche Wettbewerbsfähigkeit garantiert. In diesem Sinne sollten auch die EU-Kommission und die nationalen Energie-Regulatoren agieren, forderten der Präsident der E-Wirtschaft Europas (Eurelectric), Verbund-Generaldirektor Hans Haider, sowie Generalsekretär Paul Bulteel am Montag bei der Jahrestagung der Organisation in Lyon.

Die E-Wirtschaft müsse für ihre kommenden immensen Investitionen in Kraftwerksneubau, den Ersatz alter Anlagen sowie die Netze "robust und profitabel" sein, daher brauche die Branche neben raschen Genehmigungsverfahren auch "attraktive Strompreise", sagte Haider.

Für den Bau von Großkraftwerken zum Beispiel seien Großhandelspreise von mindestens 40 Euro je MWh nötig, "sonst verliert man bei den Investitionen Geld".

Faire, vergleichbare Bedingungen

Im Zusammenspiel der nationalen Regulatoren sollten faire, vergleichbare Bedingungen geschaffen werden. Für einen einzigen Stromregulator in Europa sei die Zeit aber noch nicht reif. Vielmehr sollte die EU-Kommission die nationalen Regulierer zu der nötigen einheitlichen Vorgangsweise veranlassen.

Zum Stromerzeugungs-Mix obliege jedem einzelnen Staat die Wahl der für ihn richtigen Mittel. Neue Atomkraftwerke werde es sicher nur mit öffentlicher Akzeptanz in dem jeweiligen Land geben können. Grundsätzlich werde die E-Wirtschaft auch künftig mehr oder weniger stark vor allem auf thermische Erzeugung setzen. Dabei werde auch Kohle weiterhin eine Rolle spielen.

Wasserkraft nur bedingt ausbaufähig

Die umweltfreundliche Wasserkraft könne in Europa nur noch bedingt weiter ausgebaut werden. Zu den neuen CO2-Emissionsregeln hofft der Eurelectric-Präsident, dass die sechs säumigen Länder der EU-15 zeitgerecht ihren Nationalen Allokationsplan (NAP) in Brüssel abgeben, damit der Handel mit den CO2-Zertifikaten wie geplant Anfang 2005 starten kann. Eine spannende Frage werde sein, wie viele Gratiszertifikate es dabei pro Kraftwerk geben wird.

Österreich etwa habe sich mit seinen minus 13 Prozent "ein sehr ambitioniertes Ziel" gesetzt. (APA/(DER STANDARD Printausgabe, 15.06.2004)