Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer weiß, wie man mit schwer erziehbaren Kindern, die mit sich selbst beschäftigt sind, am besten umgeht. "Es hat jetzt keinen Sinn, den Finger zu heben oder die Stirn zu runzeln", meint sie in Richtung des Koalitionspartners FPÖ, "gute Ratschläge sind jetzt auch entbehrlich. Die Gruppierung muss jetzt die Kraft haben, die notwendigen Schlüsse zu ziehen."

Einen kleinen Rat kann sie sich im STANDARD-Gespräch dann doch nicht verkneifen: "Wunden lecken alleine ist zu wenig. Jetzt müssen die Weichen für die Zukunft gestellt werden."

Wie die Zukunft der Koalition nach dem desaströsen Ergebnis bei den EU-Wahlen und dem offen ausgebrochenen Flügelkampf innerhalb der FPÖ nun tatsächlich aussieht, wussten die Spitzenfunktionäre der ÖVP am Montag selber nicht. "Wir wissen nicht, in welche Richtung die FPÖ sich jetzt bewegt", meint ein schwarzer Minister, "da braucht es jetzt einen Klärungsprozess".

ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel hat jedenfalls schon am Wahlabend im engsten Kreis die Losung ausgegeben: Abwarten und nur ja keinen Druck auf den Koalitionspartner ausüben. Auch mit demonstrativem Lob des "liberalen" Flügels rund um Vizekanzler Hubert Gorbach hält sich die ÖVP derzeit bewusst zurück. Das würde nämlich nur den rechtsgerichteten Flügel stärken, wie bereits einmal unter Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer passiert.

Dafür sprachen vor allem Politiker aus den Ländern am Montag mahnende Worte in Richtung Klagenfurt. Niemand solle jetzt "das Handtuch werfen", warnte etwa Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer, denn Neuwahlen wären für die FPÖ jetzt nicht "attraktiv".

Auch ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka hütete sich am Montag in seiner Wahlnachlese davor, die FPÖ-Personaldebatte zu kommentieren. Er riet der FPÖ nur, nun die für sie "richtigen Schlüsse ziehen". Die ÖVP jedenfalls könne seiner Analyse nach nun "gestärkt" in die Herbstarbeit gehen. (Barbara Tóth/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.6.2004)