Hamburg - Der frühere SPD-Chef Oskar Lafontaine hat nach den schweren Wahlniederlagen seiner Partei die Agenda 2010 als einen "Riesenfehler" bezeichnet. "Merkel und Westerwelle könnten so etwas vielleicht machen, ein SPD-Kanzler nur um den Preis erheblicher Verluste bei Mitgliedern und Wählern", sagte Lafontaine der "Bild"-Zeitung (Dienstagsausgabe). "Wenn die SPD weiter stillhält, dann werden noch viele Mandate verloren gehen." Die Reformpolitik einer sozialdemokratischen Partei dürfe sich nicht an den Interessen der Unternehmer-Verbände orientieren. Lafontaine sprach sich für eine Wiedereinführung der Vermögensteuer und den Verzicht auf eine Senkung des Spitzensteuersatzes aus. "Eine sozialdemokratische Volkspartei muss vor allem Arbeitnehmer und Rentner hinter sich bringen. Das gelingt der SPD derzeit nicht", sagte Lafontaine. In diesem Zusammenhang erinnerte der frühere SPD-Chef ironisch an den einstigen SPD-Fraktionsvorsitzenden Herbert Wehner, der in einer solch schwierigen Lage "den großen Knüppel" herausgeholt und "einen Strauß roter Nelken" bestellt hätte. (APA)