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"Lilli, die Rote" bekam in Rom doppelt so viele Vorzugsstimmen wie der italienische Regierungschef und Spitzenkandidat der Forza Italia, Silvio Berlusconi.

APA/Ettore Ferrari
Wien - Die aus Südtirol stammende Journalistin Lilli Gruber ist nicht nur "sehr glücklich" über ihren Erfolg bei der EU-Wahl in Italien. Dass "Lilli, die Rote" in Rom doppelt so viele Vorzugsstimmen wie der italienische Regierungschef und Spitzenkandidat der Forza Italia, Silvio Berlusconi, erzielte, bezeichnete sie im "ZiB-3"-Interview in der Nacht auf Dienstag als "symbolischen Erfolg": "Die Journalistin vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk hat den Medienmogul in den Vorzugsstimmen geschlagen."

Die langjährige Moderatorin der RAI-Nachrichten hatte die Regierung Berlusconi und deren Einfluss auf die öffentlich-rechtliche RAI des Öfteren kritisiert. Bei der EU-Wahl war die 47-jährige Gruber als Spitzenkandidatin des oppositionellen Vier-Parteien-Bündnisses um EU-Kommissionspräsident Romano Prodi im Wahlkreis Mittelitalien angetreten. Das Linksbündnis "Uniti nell'Ulivo" errang 31,1 Prozent der Stimmen bzw. 25 Mandate, Forza Italia hingegen 21 Prozent und damit 16 EU-Parlamentssitze.

Gruber führte ihren Erfolg nicht auf ihr "bekanntes TV-Gesicht" zurück. "Ich glaube nicht, dass sich die Wähler und Wählerinnen von einem bekannten TV-Gesicht überzeugen lassen", sagte Gruber. Überzeugend sei, wer glaubwürdig ist. "Klarerweise war ich für viele eine glaubwürdige, seriöse Journalistin."

Journalisten und Politiker hätten eine verantwortungsvolle Aufgabe. Sie müssten den Menschen näher bringen, "wo Europa für uns entscheidet". 60 Prozent der nationalen Gesetze würden von europäischen Normen und Gesetzen beeinflusst. Gruber: "Europa ist unser tägliches Brot."

Begonnen hatte die Karriere der aus Neumarkt im Südtiroler Unterland stammenden Gruber bei einem Privatsender. 1983 wurde sie von der RAI in Bozen als Redakteurin eingestellt. 1987 rückte Gruber zur ersten RAI-Journalistin auf, die die Hauptnachrichten moderierte. Während des Irak-Kriegs berichtete Gruber laufend aus Bagdad. (APA)