Preßburg - Bekanntheit erlangte der neue slowakische Staatspräsident Ivan Gasparovic durch einen belanglosen Konflikt mit dem tschechischen Ex-Präsidenten Vaclav Havel. Für Politik hatte sich der Jurist nie besonders interessiert, bis ihm Ex-Premier Vladimir Meciar, der 1992 seine Bewegung für eine Demokratische Slowakei (HZDS) aufbaute, die Gelegenheit gab, die Karriere zu wechseln. Bei den Präsidentenwahlen waren die engen Vertrauten diesmal Gegner.

Ivan Gasparovic wurde 1941 in Poltar in der Zentralslowakei geboren. Nur zwei Jahre, nachdem er sein Jus-Studium an der Comenius Universität in Preßburg abgeschlossen hatte, wurde er Generalstaatsanwalt der Stadt. 1968 trat er der kommunistischen Partei der damaligen CSSR bei. Kurz darauf erhielt er einen Lehrstuhl für Strafrecht und Kriminologie in Preßburg.

Meciar holte Gasparovic in die HDZ

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs Anfang der 90-er Jahre holte Meciar Gasparovic, der inzwischen zum Generalstaatsanwalt für die gesamte Tschechoslowakei ernannt worden war, für seine HZDS. Während seiner Zeit als Vorsitzender und Abgeordneter des slowakischen Parlaments wurde Gasparovic zu einem engen Vertrauten Meciars. Alle Versuche etwa der Medien, Gasparovic und den damaligen Ministerpräsidenten Meciar zu entzweien, scheiterten. Gasparovic stand immer treu zu seinem Chef. So war er bereit, all dessen Entgleisungen gegenüber den Medien und ausländischen Politikern zu verteidigen.

Als Meciar Gasparovic bei den Parlamentswahlen 2002 überraschend nicht mehr auf die Kandidatenliste der HZDS setzte, gründete er binnen zehn Tagen seine eigene Bewegung für Demokratie (HZD), die den Sprung ins Abgeordnetenhaus allerdings nicht schaffte. Seine Kandidatur für das Präsidentenamt 2004 war ursprünglich eher als Versuch gemeint, die HZD in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. Dann fasste die einflussreiche Oppositionspartei Smer (Richtung) den Entschluss, ihn zu unterstützen. Meciar sollte so verhindert werden.

In erster Runde blieb er hinter Meciar zurück

In der ersten Runde der Präsidentenwahlen lag Gasparovic noch an zweiter Stelle hinter Meciar. Alle Kandidaten der Regierungsparteien - auch Amtsinhaber Rudolf Schuster - waren gescheitert. Mit zusätzlicher Unterstützung der Regierungsparteien setzte er sich bei der Stichwahl durch. Er schlug seinen früheren Mentor mit rund 60 Prozent der Stimmen.

Gasparovic deklariert sich als Politiker der Mitte, ohne ideologische Bindungen. Seine HZD wurde von Kommentatoren oft als "Meciarismus ohne Meciar und ohne Einfluss" hingestellt. Das neue Staatsoberhaupt ist verheiratet und hat zwei Kinder. (APA)