Der Bogen, den die Spree mitten in Berlin macht und an dem das neue Regierungsviertel entsteht, gab dem Hotel den Namen: Sorat Hotel Spreebogen Berlin. Direkt am Wasser gelegen, mit einer eigenen Schiffsanlegestelle gleich am Eingang, bietet das Hotel den kürzesten Weg zum Reichstag, auf die berühmte Museumsinsel oder zum Bundeskanzleramt. Das neue Gebäude des Bundesinnenministeriums, ein gigantisches U aus Glas, spiegelt sich gleich neben dem Hotel im Wasser der Spree. Wo heute Gäste aus aller Welt in diesem noblen Viersternehotel einchecken, befand sich bis 1991 eines der berühmtesten Unternehmen, das seit der "Gründerzeit", seit 1881, das Gesicht Berlins und die Geschicke der Berliner ganz maßgeblich geprägt hat: die Meierei Bolle. Im eher kleinbürgerlich behäbigen Alt Moabit beschäftigte diese Meierei schon um die Jahrhundertwende rund 2000 Mitarbeiter. Vom Hof der Meierei aus brachten jeden Morgen hundert Pferdewagen frische Milch, Butter und Käse zu 3000 Haltepunkten in der Stadt. Als die Räume für die Meierei zu klein geworden und der Betrieb an den Stadtrand ausgelagert worden war, begann das große Umkrempeln. Für ein Investitionsvolumen von rund 500 Millionen Mark entstand im Bereich der einstigen Meierei das Büro Centrum Der Spree-Bogen und als Teil davon ein Hotel, das für den Berlin-Besucher - ob nun Städtebummler, Geschäftsmann oder Politiker - günstiger nicht liegen könnte. Zur Spree hin baute man einen modernen achtstöckigen Trakt hinter Glas, der Empfangshalle, Cocktailbar und die Gästezimmer enthält. Die Räume, in denen früher Butter und Milch abgepackt wurden, dienen heute dem Hotel als attraktive Konferenzsäle für bis zu 250 Personen. In der eigentlichen Milchverarbeitungshalle von damals entstand das Restaurant Alte Meierei. Die für einen Industriebau typisch preußische Kappendecke, die gußeisernen Stützen und die offen durch den Raum führenden Entlüftungsrohre sind allerdings das einzige, das in diesem Restaurant ein wenig museale Stimmung in Richtung Industriedenkmal aufkommen lassen könnte. Die Einrichtung nämlich spricht die Sprache unserer Zeit: Edles Design aus dem Hause Montis, in kräftigen Farben aus Holz und Leder gefertigt, holt die Moderne in den Betriebsraum von einst. Die Kreationen des Küchenchefs Rainer Strobel tun ein Übriges, die Alte Meierei zu einem Treffpunkt zu machen, den längst nicht mehr nur die Hotelgäste schätzen. Für sie hält das Haus 220 Doppel- und Einzelzimmer bereit. Davon sind 14 Maisonetten und neun Studios. Daß alle Räume von ihrer technischen Ausstattung her auf dem letzten Stand der Dinge sind, versteht sich. Fünf Konferenzräume von 70 bis 250 Quadratmeter wurden in den alten Produktionsräumen eingerichtet. Für wie wichtig man im Hotel das Tagungsgeschäft hält, wird deutlich aus der Tatsache, daß das Haus ein eigenes, professionelles Tagungsbüro unterhält. Krönung des Unterkunftsangebotes ist die im achten Stockwerk über zwei Etagen gehende Penthouse-Suite mit Wohnzimmer, Schlafzimmer, Arbeitszimmer und einem umfassenden Blick über Berlin. Der geht vom Funkturm über das Europacenter zur Philharmonie, zum Dom, dem Roten Rathaus und dem Fernsehturm am Alexanderplatz. Zu Füßen hat man die Spree, und unmittelbar darüber kann man bei gutem Wetter auf der Terrasse der Cocktailbar 1.2.3 sitzen und angesichts eines langsam auf dem Fluß dahinziehenden Lastkahns vergessen, daß man im Herzen einer Millionenstadt ist. Christoph Wendt Sorat Hotel Spreebogen Berlin: Alt Moabit 99, D-10559 Berlin, Tel. 0049/30/399 200, Fax 0049/ 30/399 20-999, Internet: http://www.SORAT-Hotels.com/spr-main.htm ; http://www.rio.de/sorat/ spreindx.htm ; http://www.hotelonline.de/ort-de/ ort-b/b0017.htm © DER STANDARD, 26./27. September 1998