Um, wie es hieß, eine Amokfahrt mit einem sechs Tonnen schweren und 150 PS starken Traktor zu verhindern, mussten am Montag Gendarmen in Eggersdorf bei Graz zur Waffe greifen: Sie setzten gegen einen tobenden Landwirt zunächst Pfefferspray ein und zerschossen ihm schließlich die Reifen der Zugmaschine. Zur Eskalation war es gekommen, als im Zuge eines Streits wegen der Hofübergabe das Vieh abgeholt werden hätte sollen. Dabei wurde der Bürgermeister attackiert.

"Massive Familienstreitereien" gingen laut Gendarmerie dem ganzen Szenario auf dem Anwesen in Purgstall bei Eggersdorf voraus. Schon wiederholt musste die Exekutive einschreiten. Vergangenes Wochenende war dann die Mutter des 33-Jährigen Herbert S. und der Stiefvater zur Tochter nach Gleisdorf gezogen. Daraufhin meinte der Sohn, dass es ihn nicht interessiere, was mit den Tieren (fünf Ziegen und Schweine) passiere. Er könne für nichts garantieren, meinte er zur Mutter: "Wenn sie verrecken, ist das Pech".

Familienstreitigkeiten

Die Frau wandte sich mit der Bitte an den Bürgermeister, sich um das Vieh zu kümmern. Als ein Gespräch mit dem Mann nichts brachte, beschloss das Gemeindeoberhaupt, die Tiere an zwei Landwirte weiterzugeben. Als er dann Montagmittag mit der Gendarmerie, zwei Gemeindearbeitern und den zwei Landwirten, die sich der Tiere annehmen sollten, auf den Hof kam, flippte der 33-Jährige aus: Er ging mit einer Kiste auf den Gemeindechef los. Als die Exekutive die beiden trennte, lief S. zu seinem Traktor.

"Da auf Grund seines Verhaltens eine Amokfahrt befürchtet wurde", so der Bericht, setzten die Beamten Pfefferspray ein. Da das Mittel in der Kabine erst mit Verzögerung wirkte, griffen die Gendarmen auch zu den Dienstwaffen und zerschossen drei Reifen. Der Landwirt gab schließlich auf. Er wurde am Posten Seierberg in vorläufige Verwahrung genommen und wurde am Dienstag in die Justizanstalt Graz-Jakomini eingeliefert. Bei der Auseinandersetzung wurde ein Beamter verletzt. (APA) (