Die Wiener Softwareschmiede Brain Force , die den börsenotierten Telekom-Spezialisten TopCall kaufen will, erhält mehr Zeit für ein Übernahmeangebot. Die Übernahmekommission der Wiener Börse AG hat am Dienstag die Frist für ein öffentliches Offert um 30 Tage verlängert. Brain Force muss sein Übernahmeangebot für TopCall nun bis spätestens 14. Juli anzeigen.

Angekündigt

Brain Force hatte am 1. Juni angekündigt, für sämtliche Anteile der TopCall ein Übernahmenangebot von 3,50 Euro je Aktie legen zu wollen. Das Gesetz sieht danach eine Frist von 14 Tagen bis zur Anzeige des Angebots bei der Übernahmekommission vor. Eine Fristverlängerung ist aber möglich - und "ganz normal", wie Brain Force-Chef Helmut Fleischmann am Dienstag auf APA-Anfrage betonte.

Zwei Wochen seien schlicht nicht ausreichend gewesen, "um ein seriöses Angebot zu legen". Das verkündete Angebot galt vorbehaltlich der Bewertung durch den Wirtschaftsprüfer. Am Interesse der Brain Force für TopCall ändere sich aber nichts, betonte Fleischmann.

Kein Angebot

Der TopCall-Vorstand hatte vergangene Woche betont, dass bisher kein Angebot angezeigt worden sei, und öffentlich Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Angebotsabsicht geäußert. Fleischmann kann dies nicht nachvollziehen. Entgegen anderen Behauptungen habe es vor dem Angebot natürlich Gespräche zwischen den Vorständen von Brain Force und Top Call gegeben. Beide Seiten seien sich auch "einig gewesen, dass es bei einem Zusammenschluss ein Synergiepotenzial" gebe. Von einer feindlichen Übernahme könne keine Rede sein. Die Vorgehensweise von Brain Force sei die einzig mögliche bei der Übernahme eines Unternehmens mit fast 80 Prozent Streubesitz, so Fleischmann weiter.

Ob die TopCall-Aktionäre das Angebot annehmen werden, gilt allerdings noch als ungewiss. Der Brain Force-Chef bezeichnete das Angebot von 3,50 Euro je Aktie bezeichnete jedenfalls als "sehr attraktiv". Am Dienstag notierte die Aktie bei 3,60 Euro und damit 0,56 Prozent im Plus. Fleischmann glaubt aber, dass die TopCall-Aktie in den vergangenen Wochen wegen der Übernahmephantasie "virtuell gestiegen" sei.

Brain Force ist derzeit mit rund 5 Prozent an TopCall beteiligt. Größter Einzelaktionär ist die IF Innovationsförderungs-Privatstiftung mit 12,97 Prozent. 3,72 Prozent stehen im firmeneigenen Aktienbesitz, 5,18 Prozent gehören dem früheren Unternehmenschef Martin Hannah. Der Rest - 73,13 Prozent - liegt im Streubesitz. (APA)