Wien - Trotz des Neins des Kärntner LH Jörg Haider bezüglich einer Rückkehr an die FPÖ-Spitze will so mancher Freiheitlicher diese Hoffnung nicht aufgeben. Vizekanzler Hubert Gorbach sprach sich Dienstag nachmittag vor Beginn des FPÖ-Vorstands in Wien dafür aus, noch einmal zu versuchen Haider zu überzeugen. Als Alternativkandidatin fiel dem Vizekanzler die geschäftsführende Parteiobfrau Ursula Haubner ein. Verständnis für die Absage Haiders zeigte Bauernvertreter Uwe Scheuch, der als künftiger Generalsekretär gilt.

Gorbach plädierte dafür, auch nach dem Desaster bei der EU-Wahl nicht das Kind mit dem Bade auszuschütten. Es gelte nun kühlen Kopf zu bewahren. Ungeachtet dessen müsse natürlich Klartext geredet werden, wie es weitergehe. Gorbach befürchtet, dass gute und seriöse Regierungsarbeit wohl zu wenig sein werde.

Auch Scheuch sprach sich in erster Linie für eine inhaltliche Analyse aus. Seiner Ansicht nach hat die FPÖ ihre Kernthemen zu sehr vernachlässigt und sich zu stark an die ÖVP angelehnt. Die Personalfrage ist für den Kärntner Abgeordneten nicht vorrangig. Dass Haider für die FPÖ die wichtigste Persönlichkeit sei, habe er schon mehrfach gesagt. Allerdings würde er, Scheuch, dem Landeshauptmann unter den gegebenen Voraussetzungen nicht raten, wieder den Parteivorsitz zu übernehmen.

Keine klare Festlegung Scheuchs gab es bezüglich seiner eigenen Zukunft. Er sei mit seiner derzeitigen Aufgabe glücklich. Jedoch schloss Scheuch nicht explizit aus, die Nachfolge der aus privaten Gründen aus den Amt scheidenden Generalsekretärin Magda Bleckmann zu übernehmen.

Die meisten Mitglieder des Parteivorstands waren für Journalisten nicht zu sprechen. Denn die Landesobleute hatten sich mit der Parteispitze schon eine Stunde vor Beginn der Besprechung in ein Sitzungszimmer zurückgezogen. Landeshauptmann Jörg Haider war vorerst noch nicht am Tagungsort eingetroffen. Keine Stellungnahme gab es u.a. vom Dritten Nationalratspräsident Thomas Prinzhorn, der Journalistenfragen rüde zurückwies.

Schüssel: FP soll selbst entscheiden

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) wurde gefragt, ob das Regieren mit einem neuen FPÖ-Chef schwieriger wäre. Das österreichische Parlament sei arbeitsfähig, betonte Schüssel dazu. Und: "Jede Partei ist erwachsen und gut beraten, ihre Entscheidungen selber zu treffen." (APA)