Wien - Der frühere Klubobmann der FPÖ, Bundesliga-Vorstand Peter Westenthaler, warnt seine Partei davor, sich in eine "ideologische Sekte" zurückzuentwickeln. Im Gespräch mit der APA am Dienstag sprach er sich auch gegen ein Beendigung der Regierungsbeteiligung aus. "Die FPÖ soll ihre Verantwortung wahrnehmen. Österreich braucht die FPÖ als wichtiges Korrektiv zur großen Regierungspartei ÖVP."

"Einfaches Parteimitglied" Nummer zwei

Als "einfaches Parteimitglied" beobachte er, Westenthaler, die "dramatische Situation" der FPÖ mit Sorgen. "Die FPÖ muss davor bewahrt werden, in ein ideologisches Eck abzudriften." Notwendig sei, die Kräfte zu bündeln. Ein Neubeginn sei notwendig - inhaltlich, personell und auch bei der Kommunikation.

Haider muss selbst entscheiden

In der Partei gebe es eine Sehnsucht nach einer "schlanken Führungsstruktur", wie sie in den 90er Jahren - unter Jörg Haider mit seinem "starken, eingeschweißten Team" - erfolgreich gewesen sei. Zur Frage, ob Haider wieder die Parteiführung übernehmen sollte, meinte Westenthaler, er wolle "in Personalfragen keine Ratschläge von außen geben". Letztlich müsse dies Haider selbst entscheiden. Jedenfalls sei Haider noch immer "die Integrationspersönlichkeit" der FPÖ.

Zugeknöpft

Andere ehemalige Freiheitliche Parteigranden geben sich bei der Bewertung der Situation der FPÖ nach der desaströsen Wahlschlappe zugeknöpft. "Entweder ich sage, was ich denke - das kann ich nicht -, oder ich schweige", so FPÖ-Urgestein Friedrich Peter, längst gedienter Obmann der Freiheitlichen (1958 bis 1978), der 1992 aus der FPÖ ausgetreten war. Die frühere Vizekanzlerin und FPÖ-Chefin Susanne Riess-Passer meinte auf Anfrage der APA, "ich kommentiere das nicht, sonst komme ich aus dem Kommentieren nicht heraus".

"Duett wäre besser"

Gesprächig zeigte sich Holger Bauer, Finanzstaatssekretär in der rot-blauen Koalition und anschließend bis 1999 Abgeordneter zum Nationalrat: "Das Führungsquartett in der FPÖ ist nicht wirklich optimal, besser wäre ein Duett." Jörg Haider sollte jedenfalls eingebunden werden, "weil er nach wie vor Gewicht hat". Ob an erster Stelle oder nicht, müsste Haider selbst entscheiden. Herbert Haupt sollte sich auf seine Arbeit als Sozialminister konzentrieren. Könnte die Wiener Hoffnung Heinz-Christian Strache der neue Haider für die Zukunft sein? "Er ist eine große Begabung, sehr talentiert. Aber er muss noch einige Jahre lernen", glaubt Bauer.

Aus pragmatischen Gründen einzubinden

Haider sei auch aus pragmatischen Gründen in die Parteileitung einzubinden, denn "einmischen wird er sich immer, so lange es ihn gibt". Ideal wäre es natürlich, Haider hätte eine hohe Funktion in der Partei und gleichzeitig Regierungsverantwortung. "Wenn das nicht ist, dann wird's schwierig. Aber immer noch besser zumindest an einer Parteischaltstelle, als er zieht sich zurück und kommentiert aus dem Hintergrund."

Unzufrieden mit Haupt

Mit der Arbeit des aktuellen Führungsquartetts - vor allem mit dem Engagement von Haupt - ist Bauer nicht zufrieden, weil "in der Regierung ein Generalfehler gemacht wurde. Man hat mit dem Finger auf eine Wunde gezeigt, eine Maximalforderung erhoben - dann aber einen Kompromiss schließen müssen. Wie das in einer Koalition eben so ist." Bauer meint, man sollte erst genau überlegen, was letztlich realisierbar ist, bevor man in der Öffentlichkeit starke Forderungen erhebt. "Das ist Haupt nicht gelungen". (APA)