Schaut man aus den Fenstern der Zimmer im langgestreckten Nebenflügel, dann blickt man auf ein Stück Braunschweig, wie es so noch bis 1944 überall ausgesehen hat. Liegt das Hotel doch im Zentrum dieser früher ganz aus Fachwerkhäusern erbauten niedersächsischen Stadt inmitten einer „historischen Insel“, wie die wenigen architektonischen Ensembles genannt werden, die nicht im Bombenkrieg für immer untergingen. Auf seiner Längsseite verläuft es entlang des wunderschönen romantisch-mittelalterlichen Burgplatzes mit dem Dom, dem Gildehaus, der Stadtburg Heinrichs des Löwen und dem dazugehörigen Löwendenkmal.

Das Haus selbst, vor genau 100 Jahren in repräsentativem bürgerherrlichen Stil erbaut, erhebt sich mit seinen Türmen und Zinnen an der Stelle der früheren Burgküche des Welfenherzogs; und auf der nächsten Spitze des Hotels hält ein germanischer Krieger mit Wolfsfell und Speer Wache.

Nach einem kurzen Nachkriegs-Zwischenspiel als britisches Offizierskasino ist das „Deutsche Haus“ wieder als Hotel im Besitz der Familie Osten und wird seit 20 Jahren Stück für Stück renoviert und erweitert. Derzeit hat es 85Zimmer, die eine gemütliche Atmosphäre ausstrahlen und vorwiegend von Busineß-Touristen genutzt werden. Das altdeutsch möblierte Restaurant faßt 120 Gäste. Konferenzzimmer, Clubräume und der große Festsaal stehen für Seminare und Tagungen bereit.

In bloß 38 km Entfernung von der früheren innerdeutschen Grenze haben die Braunschweiger Hoteliers bewegte sieben Jahre hinter sich. „Vor der Öffnung lag unsere Auslastung bei 60Prozent, kurz danach bei 80Prozent, und jetzt haben wir aufgrund der vielen spekulativen Hotelneubauten in der Region, vor allem in der Nachbarstadt Hannover, einen Tiefstand von 40Prozent Belegung,“ erläutert Lars Osten-Göbel.

Für das Jahr 2000 lauten die Prognosen allerdings auf 100Prozent: Zu diesem runden Datum gibt sich nämlich Hannover als Gaststadt der EXPO-Weltausstellung die Ehre und wird den Hoteliers im weiten Umkreis ein wahres Milleniumsgeschäftsjahr bescheren.

Harald Steiner

Deutsches Haus

D-38100 Braunschweig

Tel: (0049) 531 12 00–0

© 1997 DER STANDARD, Samstag/Sonntag, 15./16. Februar 1997