Wien - Die von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) bei einer Dialogveranstaltung in St. Johann/Pongau (Salzburg) Anfang Juni präsentierten ersten Vorschläge für eine Qualitätsoffensive an den Schulen sind heute, Dienstag, als Ministerratsvortrag beschlossen worden. Enthalten sind unter anderem die in den vergangenen Monaten angekündigten Bildungsstandards in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch für die vierten Klassen Volksschule und Hauptschule bzw. AHS-Unterstufe sowie die Vorverlegung des Frühwarnsystems in das erste Semester.

"Leadership Academy"

Weitere Punkte der "Qualitätsoffensive 2004" betreffen die Einrichtung einer "Leadership Academy" zur Schulmanagementausbildung für Direktoren sowie der bereits im Vorjahr angekündigte Ausbau der Nachmittagsbetreuung um 10.000 Plätze bis 2006. Zur Verbesserung der kindlichen Früherziehung im Kindergarten soll es im Herbst eine Enquete geben, und die Pädagogischen Akademien sollen - wie bereits 1999 im Nationalrat beschlossen - bis 2007 zu Hochschulen weiter entwickelt werden. Einer Änderung der Schulorganisation erteilte Gehrer in einer Aussendung erneut eine Absage: "Wir haben gute äußere Rahmenbedingungen", so die Ministerin. "Wir müssen daher die Schulorganisation nicht ändern, weil das die Qualität nicht verbessert." Sie setze daher auf eine "große innere Schulreform".

Kritik der SPÖ

Kritik an Gehrer übt SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser. Die Ministerin desavouiere die von ihr selbst eingesetzte Zukunftskommission, indem sie bereits heute dem Ministerrat einzelne Maßnahmen für den schulischen Bereich vorlegt, obwohl der Kommissions-Abschlussbericht erst im Herbst zu erwarten sei. "Das wäre so, als ob Verteidigungsminister Platter den Bericht der Bundesheerreformkommission nicht abgewartet, sondern schon zuvor der Regierung Änderungen für das Heer unterbreitet hätte", so Niederwieser in einer Aussendung. Außerdem umschiffe Gehrer "alle zentralen Themen, die von den Experten und der PISA-Studie angesprochen werden" und verteile "ein Placebo nach dem anderen".

"Zusammenfassung von lange bekannten Vorschlägen"

Für den Grünen Bildungssprecher Dieter Brosz sind die Vorschläge eine "Zusammenfassung von lange bekannten, abgestandenen Vorschlägen". Auf zentrale Fragen werde allerdings keine Antwort gegeben, so Brosz gegenüber der APA. So habe Gehrer nach der PISA-Studie etwa angekündigt, die Zahl der lernschwachen Schüler um die Hälfte zu reduzieren. Auch die Frage der Ressourcen sei total ausgeklammert. Insgesamt sei die "Qualitätsoffensive" der "Versuch, so zu tun, als gebe es eine Reformdiskussion, aber gleichzeitig den Status Quo zu bewahren". Sie beinhalte "kleine Vorschläge, die zum Teil positiv sind, aber weit weg von einer großen Schulreform". (APA)