Wien - Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat wegen des gestiegenen Ölpreises ihre Österreich-Wachstumsprognose für 2004 und 2005 um den Hauch von 0,1 Prozentpunkten auf 1,5 bzw. 2,4 Prozent hinunter geschraubt. Für 2006 rechnet sie mit einem Plus von 2,5 Prozent und dem Start einer Erholungsphase. OeNB-Direktor Josef Christl bei der Präsentation der Frühjahrsprognose: "Wir gehen von einem klaren, aber nicht dramatischen Anstieg des Wachstums aus."

Sensationelle Weltwirtschaft

Insgesamt fügt sich Österreich damit ins Europa-Bild. "2004 wird für die Weltwirtschaft sensationell; dazu trägt die expansive Fiskalpolitik in den USA und Japan bei", so Christl. Europa hinke der Dynamik zwar "um ein halbes bis ein drei Viertel Jahr nach", die Exporte würden sich nun aber erholen, auch in Österreich. Die Nachteile aus dem starken Euro würden durch niedrige Inflation und Zinsen kompensiert. Kurzum: "Europa wird konkurrenzfähiger." (Christl).

In Österreich pusht der Ölpreis auch die Inflation. Für 2004 rechnet die OeNB mit einer Inflationsrate von 1,7 (bisher 1,6) Prozent. Ein Teil der Verteuerung ist aber durchaus auch hausgemacht: Die seit heuer geltende Energiesteuer trägt zur Inflationssteigerung bei. Der schmerzrelativierende Trost fürs Land: Mit seinen Inflationsraten liegt Österreich laut OeNB leicht unter dem Trend im Euro-Raum.

Von der Nachfrageseite her erwarten die Ökonomen keine inflationären Tendenzen. Denn trotz der ersten Etappe der Steuerreform verändern sich die Einkommen, die den Haushalten zur Verfügung stehen, kaum; der Konsum bleibt daher gedämpft. Mehr Geld wird den Österreichern frühestens ab der zweiten Steuerreformetappe 2005 bleiben, die bringe laut Christl dann "eine deutliche Entlastung der Haushalte". Auch von der Lohnseite erwarten die OenB-Prognostiker keinen Druck auf die Preise. Christl: "Die Lohnpolitik ist sehr moderat, ich hoffe, das bleibt so. Schließlich ist die Lage am Arbeitsmarkt nicht einfach."

Harter Arbeitsmarkt

Das wird sich bis 2006 auch nicht ändern; erst dann ist laut OeNB-Chefvolkswirt Peter Mooslechner mit einer Entspannung auf dem Arbeitsmarkt zu rechnen. Denn derzeit ist das Arbeitskräfteangebot groß: mehr geringfügig Beschäftigte, mehr ausländische Arbeitskräfte und mehr ältere Erwerbstätige, die wegen der Pensionsreform länger im Job bleiben. Für heuer rechnet die OeNB daher noch mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosenquote von 4,4 auf 4,5 Prozent. 2006 soll die Arbeitslosgkeit auf 4,1 Prozent sinken.

Beim Budgetdefizit sind die Notenbanker ein wenig pessimistischer als der Finanzminister in seiner budgetären Notifikation für Brüssel, so Ex-Grasser-Mitarbeiter Christl. Laut OeNB wird das Budgetdefizit heuer bei 1,4 Prozent liegen; der Finanzminister hatte im Feber 1,1 Prozent an die EU gemeldet. Die zweite Etappe der Steuerreform werde das Budgetdefizit 2005 auf 1,9 (Grasser-Meldung: 1,5) Prozent pushen, 2006 rechnet die OeNB mit einem Defizit von 1,7 (Grasser: 1,1) Prozent. Christls Trost in Richtung Himmelpfortgasse: "Mit diesen Werten liegt Österreich noch immer deutlich besser als der Durchschnitt im Euro-Raum." (Renate Graber, DER STANDARD Printausgabe 16.06.2004)