Wien/Klagenfurt - Auf Strassers Asylwerber-Verschickungspläne folgte Empörung in den Ländern, eine Drohung aus Kärnten - und daraufhin ein rasches Einlenken in Wien: Sollte der Innenminister, wie zuvor angekündigt, 1000 Asylwerber in Bussen aus dem überfüllten Lager Traiskirchen in Landeshauptstädte - darunter auch Klagenfurt - schicken, so werde er die Bund-Länder-Vereinbarung über die Flüchtlingsunterbringung aufkündigen, zürnte Landeshauptmann Jörg Haider am Dienstag.

Dann, so Haider, könne der Bund wieder die Betreuung sämtlicher Asylwerber übernehmen. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte Strasser die Bustouren schon abgesagt: Die 30 von Kärnten und 50 von Oberösterreich ab Mittwoch zugesagten Wohnplätze für Asylwerber seien ein "Beginn".

Laut der vertraglich vereinbarten Quote müsste Kärnten außerdem noch 260, Oberösterreich 221, Tirol 589, Vorarlberg 215 und das Burgenland 193 Quartiere zu Verfügung stellen. Eine "Einladung" aller Landesverantwortlichen zu einem Termin in Wien, um Wege zur Quotenerfüllung zu besprechen, sei "ohne Reaktion verhallt", schildert man im Ministerbüro die Vorgeschichte der Eskalation.

Daraufhin sei man auf die Verschickungspläne verfallen: "Wir müssen darauf drängen, dass die Länder zu ihrer Quote stehen" - zumal in Traiskirchen mit 784 Neuzugängen seit 1. Mai erneut ein Unterbringungsengpass bestehe. Kommentar von Diakonieleiter Michael Chalupka: "Hier wird auf dem Rücken Bedürftiger Politik gemacht". (bri/DER STANDARD, Printausgabe, 16.6.2004)