Bogota - Mutmaßliche Rebellen haben im Nordosten Kolumbiens ein Massaker an mindestens 34 Landarbeitern verübt. Wie die Bürgermeisterin der Ortschaft La Gabarra, Taiz Ortega, am Dienstag mitteilte, überfielen die Aufständischen in der Nacht eine abgelegene Farm in Tibu an der Grenze zu Venezuela. Sie schossen danach auf die Landarbeiter aus automatischen Waffen. Nach Ansicht Ortegas ging der Überfall auf das Konto der linksgerichteten Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC). Auch der Gouverneur der Provinz Norte de Santander, Andres Hoyos, beschuldigte die FARC. Von Seiten der Guerilla lag vorerst keine Stellungnahme vor.

Bisher blutigstes Massaker

Etwa fünf Menschen überlebten mit Verletzungen und wurden in nahe gelegene Krankenhäuser gebracht. Ein Motiv für das bisher blutigste Massaker in Kolumbien in diesem Jahr war zunächst nicht bekannt. Es wird spekuliert, dass die Landarbeiter für die rechtsextremen "Einheiten zur Selbstverteidigung Kolumbiens" Koka geerntet haben könnten.

Die FARC und rechte Milizen liefern sich in der Gegend häufig heftige Auseinandersetzungen um die Kontrolle des lukrativen Drogenhandels.

AUC soll Waffen abgeben

Fast zeitgleich mit dem Angriff erklärte die Regierung in Bogota den Beginn von Friedensverhandlungen mit rechten Paramilitärs. Die rund 12.000 bis 20.000 Mitglieder der rechtsgerichteten AUC sollen zur Abgabe ihrer Waffen bis Ende 2005 bewegt werden.

Abkommen innerhalb von sechs Monaten

Präsident Alvaro Uribe zielt nach eigenen Angaben darauf ab, innerhalb von sechs Monaten ein entsprechendes Abkommen unter Dach und Fach zu bringen. "Die Regierung sieht die Bedingungen für einen Prozess zur Aufnahme von Gesprächen sowie der Aushandelung und Unterzeichnung von Vereinbarungen als erfüllt an", zitierte Präsidentensprecher Giovanny Celis aus einem entsprechenden Erlass.

Die im Untergrund operierende AUC wird für einige der schwersten Gräueltaten in der jüngeren Geschichte des Landes verantwortlich gemacht. Sie bestritt am Dienstag allerdings entschieden, etwas mit dem Massaker auf der Farm zu tun zu haben.

Rund 200.000 Menschen starben

Bei Auseinandersetzungen zwischen linksgerichteter Guerilla, Paramilitärs und Armee kamen bisher in Kolumbien rund 200.000 Menschen ums Leben. Ein Ende des seit 40 Jahren andauernden bürgerkriegsähnlichen Konflikts scheint nicht in Sicht. (red/Reuters/APA)