Wien - FP-Klubobmann Herbert Scheibner berichtete - ohne Namen zu nennen, aber offenbar in Anspielung auf Ewald Stadler und Andreas Mölzer -, dass im Parteivorstand am Mittwoch herbe Kritik an jenen geübt worden sei, "die von außen die Partei kritisieren", aber selbst nichts beitragen. Niederösterreichs FP-Obfrau Barbara Rosenkranz, in deren Landesgruppe der Vorarlberger Stadler zuletzt tätig war, meinte auf die Frage, ob die öffentliche Kritik nun ein Ende haben werde: "Ich habe gestern gehört, dass Ewald Stadler die Staatssekretärin Haubner unterstützen wird."

"Wenn er gefragt wird"

Stadler erklärte sich am Mittwoch zu einer Mitarbeit im neu zu bildenden FP-Führungsteam der künftigen Parteichefin Ursula Haubner bereit: "Niemand kann sich verweigern, wenn er gefragt wird", sagte Stadler am Mittwoch. Aber auch andernfalls werde er seine Beiträge anbringen. Den von Jörg Haider angekündigten Paradigmenwechsel als auch eine Umbildung der Regierung begrüßt Stadler.

"Es ist ja noch nicht heraußen, wie das Führungsteam aussehen wird." Dies werde aber eine ganz entscheidende Frage sein, ebenso die von Haider in Aussicht gestellte Umbildung der Regierung. "In der Regierung müssen Leute sitzen, die bereit sind, sich für die Freiheitlichen auf die Schiene zu legen." Der Wechsel an der Parteispitze von Herbert Haupt zu Ursula Haubner dürfe sich nicht im Austausch der Türschilder erschöpfen. Wer seinen Vorstellungen nach ein Freiheitliches Regierungsamt bekleiden solle, wollte Stadler nicht sagen. "Sonst sind sie schon tot."

Mölzer will sich auf Brüssel konzentrieren

Der künftig einzige EU-Abgeordnete der Freiheitlichen, Andreas Mölzer, würde keine Parteifunktion in der FPÖ übernehmen. "Das wäre nicht mein Job. Ich bin politischer Analyst und kein Funktionär", sagte Mölzer am Mittwoch. Ursula Haubner, ab Juli neue Parteichefin, "ist mittelfristig keine schlechte Lösung, wenn sie integrativ wirkt". "Politisch realistisch" sei Haubners Führung bis zur nächsten Nationalratswahl, allerdings nur gemeinsam mit Jörg Haider, so Mölzer.

Was nach der Wahl sein wird, könne heute noch nicht abgeschätzt werden. Dann eventuell der Wiener Parteichef Heinz-Christian Strache an der Bundesspitze? Durchaus denkbar, meint Mölzer. Strache sei eine "große Zukunftshoffnung". Dem Vernehmen nach hat Strache im gestrigen Bundesparteivorstand die Übernahmen des Parteivorsitzes noch dezidiert abgelehnt.

Böhmdorfer ins Team

Als "durchaus interessant und kompetent" hatte Mölzer Haubner vor zwei Tagen bezeichnet. Wen sie in ihr "Team der besten Köpfe" holen wird, weiß Mölzer nicht. Nur eines: Dieter Böhmdorfer sollte unbedingt dabei sein. "Er ist der Mann, der am eigenständigsten arbeitet". Im übrigen rechnet Mölzer nicht damit, in diese Personalfindungsarbeit eingebunden zu werden: "Ich habe null Kontakte diesbezüglich, rechne auch nicht damit".

"Justierung mag notwendig sein"

Probleme mit der ÖVP bzw. Schwierigkeiten für die Regierung erwartet Mölzer durch eine Neuorientierung der FPÖ nicht. Wird das Koalitionsabkommen halten? Mölzer: "Eine Justierung mag notwendig sein".

Wie sieht er als früherer Chefideologe die künftige Positionierung der FPÖ? Zurück in eine muffige rechte Ecke? "Natürlich nicht. Die FPÖ ist nach wie vor eine plebiszitäre Partei, eine rechts-liberale Kraft mit sozialem, grünem und wirtschaftsliberalem Engagement". (APA)