Lissabon - Als die Fragen nach Alexander Mostowoj nicht aufhörten, platzte Russlands Fußball-Teamchef Georgi Jarzew schon wieder der Kragen. Mit einem bizarren Auftritt rechtfertigte Jarzew den Rauswurf des aufmüpfigen, gealterten Regisseurs aus seinem EM-Kader vor dem Spiel am Mittwoch gegen Portugal. "Er hat eine Sonderbehandlung bekommen, aber er hat nichts daraus gemacht, sondern den Trainer kritisiert und unsere Chancen auf das Viertelfinale angezweifelt", schimpfte der Coach.

"Er existiert nicht mehr"

"Er denkt zu sehr an sich selbst. Jetzt will ich nicht mehr über ihn sprechen. Er gehört nicht mehr zur Mannschaft und existiert für mich nicht mehr", fauchte Jarzew unter großen Gesten nach dem Abschlusstraining in Lissabon derart laut, dass er auch im hintersten Winkel des Presseraumes im "Estadio da Luz" ohne Mikrofon zu hören gewesen wäre.

Dumm nur, dass die meisten nicht-russischen Journalisten dem Wutausbruch des 56-jährigen nicht zu folgen vermochten. Ein Mitglied der russischen Delegation übersetzte unter großem Gelächter derart lückenhaft ins Englische, dass ihm bei den Fragen zum Portugal-Spiel ein Journalist half. Als Jarzew schließlich gebeten wurde, seinen Monolog zu Mostowoj zu wiederholen, sackte der Ex-Teamspieler mit dem strengen, grauen Scheitel auf seinem Stuhl zusammen und schlug verzweifelt die Hände vor das Gesicht. Immerhin: Als bei einem Journalisten das Handy klingelte, witzelte er: "Mostowoj ruft an."

Zu hartes Training

Der Geschasste, der nach dem 0:1 gegen Spanien Jarzews angeblich zu hartes Training für die Niederlage verantwortlich gemacht hatte, konterte ruhiger, aber nicht minder deutlich. Der russischen Zeitung "Gaseta" erklärte Mostowoj während der Autofahrt von der Algarve in Richtung seiner spanischen Wahlheimat: "Wenn Probleme auftreten, ruft ein normaler Trainer den Spieler zu sich, um die Dinge zu klären. Ich habe noch gar nicht alles gesagt, was ich gedacht habe. Ich bin kein junger Hüpfer von 20 Jahren und habe das Recht, meine Meinung zu sagen." Der umstrittene Spielmacher von Celta de Vigo, der einen neuen Klub sucht, nahm sein EM-Aus aber gelassen hin.

Dagegen schimpfte die heimische Presse. "Wieder wird die Reputation unserer Mannschaft nicht nur durch mittelmäßiges Spielen, sondern durch Skandale außerhalb des Feldes beschädigt", stellte "Nowyje Iswestija" fest. (APA/dpa)