Georg "Mondpichler": Österreicher entwarf 1928 Konzept für Satelliten "Babylonischer Turm von Österreich" sollte so hoch werden, bis die Spitze schwerelos wird

Wien - Ein österreichischer Wissenschafter soll bereits im Jahr 1928 die Grundlagen für die so genannten geostationären Satelliten entworfen haben. Wie Prof. Dr. Georg Pichler alias "Mondpichler" vom österreichischen Institut für Flugmedizin und Weltraumbiologie am Mittwoch bei einer Pressekonferenz erklärte, hat der Wissenschaftler Hermann Potocnik Noordung damals den "Babylonischen Turm von Österreich" entworfen, der das Konzept der heutigen Fernsehsatelliten vorwegnahm.

Schwerelose Turmspitze

Noordung sei von der These ausgegangen, dass ein Körper immer leichter wird, je weiter er sich vom Gravitationszentrum, also der Erde, entfernt. Sein Konzept sah deshalb vor einen Turm so weit zu bauen, bis dessen Spitze immer weniger Gewicht hat und schließlich - in der Höhe von 35.900 Kilometern - schwerelos wird, erklärte Pichler. "Dann benötigt man den Körper nicht mehr."

Nach dem gleichen System würden die aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenkenden geostationären Satelliten funktionieren, über die ein gewaltiger Datenfluss von Internet-, Telefon-, oder Fernsehsignalen fließt. Den Österreichern seien damit Einnahmen in der Höhe von Milliarden von Dollars entgangen, glaubt Pichler: "Leider ist es uns nicht gelungen, Tantiemen zu verlangen." Die Verjährungsfrist für Ansprüche an solchen Erfindungen ende nach 18 Jahren.

"Geschenk für die USA"

Aufbauend am "Babylonischen Turm von Österreich" hat Pichler ein mögliches Geschenk für die USA entworfen, wie er sagte: Der "Babylonische Turm von Amerika" soll 25 Millionen Kilometer hoch werden, "der höchste Turm, der in unserem Sonnensystem möglich ist."

"Mondpichler" plädiert dafür, die Sonnenaktivitäten besser zu erforschen, bevor man zu etwaigen Mondbesiedelungen oder bemannten Marsflügen ansetze, wie er sagte: Bisher sei ein Aufenthalt außerhalb des Erdmagnetfeldes noch nicht "zu 100 Prozent" erforscht, etwa, wie sich die bei Sonnenexplosionen freigesetzten Strahlen auf die Menschen im Weltraum auswirken.

Kommentator der ersten Weltraumflüge

Der 82-jährige "Hals-NASA-Ohrenarzt" Herbert Pichler wurde vor allem mit seiner Tätigkeit als Kommentator der ersten Weltraumflüge für das österreichische Fernsehen bekannt. Noch heute hält er einen Rekord: 28 Stunden und 28 Minuten berichtete er am 20. und 21 Juli 1969 live im Fernsehen. Er publizierte auch mehrere Bücher zu diesem Thema und ist Vorstand des österreichischen Instituts für Flugmedizin und Weltraumbiologie. (APA)