Rom - Kein Köpferollen in der Partei des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi Forza Italia nach der Schlappe bei den EU- und Kommunalwahlen am Wochenende. Berlusconi bestätigte den Koordinator der Partei, Sandro Bondi, im Amt, obwohl dieser wegen der starken Stimmenverluste der Forza Italia stark unter Beschuss geraten ist. Nach einem über vierstündigen Treffen mit den Spitzenpolitikern seiner Partei, bei dem die Ursachen der Wahlniederlage im Detail analysiert wurden, beauftragte Berlusconi Bondi eine tief greifende Reform der Parteistruktur in die Wege zu leiten und die Gruppierung für die nächsten Wahlgänge, insbesondere für die Parlamentswahlen 2006, zu rüsten.

Obwohl seine Partei gegenüber den Parlamentswahlen 2001 von 29 auf 21 Prozent der Stimmen zusammengeschrumpft ist, setzt Berlusconi lieber auf Stabilität als auf eine tief greifende Umstrukturierung der Parteispitze. Eine scharfe Rüge ersparte der Ministerpräsident und TV-Zar seinen Starpolitikern nicht. Verkehrsminister Pietro Lunardi, Gesundheitsminister Girolamo Sirchia und andere Ressortleiter der Forza Italia wurden beschuldigt, sich nicht genug für die Wahlkampagne engagiert zu haben. Unter Druck geriet auch Frauenministerin Stefania Prestigiacomo, in deren Wahlkreis Sirakus die Forza Italia 21 Prozent der Stimmen verlor und auf 16 zusammenschrumpft ist.

"Forza Italias Problem ist die schwache organisatorische Struktur. Die Gruppierung ist eine unstrukturierte Partei, die stark von der charismatischen Persönlichkeit Berlusconis abhängt. Forza Italia hat ein Problem mit ihrer Führungselite", gab der Forza Italia-Abgeordnete und politische Beobachter, Gianni Baget Bozzo, zu.

Fraglich ist nun, ob Berlusconi die von der christdemokratischen UDC geforderte Regierungsumbildung in die Wege leiten wird. Dagegen stemmt sich die rechtspopulistische Lega Nord. "Eine zweite Regierung Berlusconi hätte verheerende Effekte für die Reformen, die Italien stark benötigt. Eine Regierungsumbildung würde die Verabschiedung des Föderalismus-Pakets stark verzögern", warnte der Lega-Politiker und Vizepräsident des Senats, Roberto Calderoli.

"Hätte die Forza Italia wichtige Reformen durchgesetzt, wäre ihr die Wahlniederlage erspart geblieben. Berlusconi sollte sich dies für die Parlamentswahlen in zwei Jahren merken", warnte der Lega-Politiker.

Diese Ansicht teilt auch die rechte Alleanza Nazionale (AN), die zweitstärkste Regierungspartei. "Wir brauchen keine Kabinettumbildung, sondern eine stärkere Regierung", sagte AN-Chef und Vizepremier Gianfranco Fini. Das Kabinett müsse auf Wirtschaftsentwicklung und auf die Förderung der Wettbewerbsfähigkeit des italienischen Industriesystems setzen, um die Parlamentswahlen 2006 zu gewinnen. "Diese Regierung wird bis Ende der Legislaturperiode im Amt bleiben. Berlusconi muss aber Garant einer neuen wirtschaftlichen und sozialen Politik sein", betonte Fini. (APA)