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Entgleiste Waggons des Matsygandha Express

Foto: REUTERS/Arko Datta
Neu Delhi - Nach einem dramatischen Zugunglück in Indien mit zahlreichen Toten haben Überlebende Stunden der Angst über einem Abgrund durchlitten. Drei Waggons hingen senkrecht von einer Brücke herab. Dutzende Menschen wurden verletzt, als der mit rund 1.000 Reisenden besetzte Matsayagandha Express von Mangalore nach Bombay am Mittwochmorgen nahe der 30 Meter hohen Brücke mit Felsbrocken zusammenstieß. Ursache war ein Erdrutsch durch heftigen Regen. Über die Opferzahl gab es am Abend (Ortszeit) unterschiedliche Angaben. Die Sprecherin der betroffenen Kokan-Bahn sagte, 14 Menschen seien ums Leben gekommen und 62 verletzt worden. Nach Angaben des staatlichen Fernsehkanals Doordarshan starben mindestens 25 Menschen. 100 Reisende seien verletzt worden. Felsbrocken Es war kurz nach 06.00 Uhr, und in dem Zug wurde Tee serviert, als der Lokführer die Felsbrocken auf den Schienen sah. Der Mann konnte den rund 95 Stundenkilometer fahrenden Zug nicht mehr stoppen. 11 der 14 Waggons entgleisten. Fünf wurden von niederstürzenden Felsbrocken stark beschädigt. Drei Wagen mit mehreren Passagieren stürzten von der Brücke und blieben senkrecht in der Luft hängen. "Plötzlich wurde ich von meinem Sitz geschleudert, viele Leute fielen auf mich nieder", sagte Passagier Pawan Kumar. Geschockte Überlebende

Bewohner nahe gelegener Dörfer kamen als erste bei strömendem Regen zum Unglücksort. Sie sahen einige Beine und Arme der Eingesperrten durch die zerbrochenen Fenster. Ein älterer Mann, dessen Gesicht an ein Fenster gedrückt war, weinte. "Die Dorfbewohner gaben uns Wasser und Kleider zum Verbinden der Wunden", sagte Kumar. In der bergigen Region ist der schnellste Weg zur Unfallstelle die Bahnlinie, die aber blockiert war. Rettungskräfte kamen deshalb zunächst nicht durch.

Geschockte Überlebende warteten im strömenden Regen stundenlang auf Hilfe. Passagiere, die das Unglück unverletzt überstanden hatten, wurden schließlich vom Unglücksort bei Raigadh in das rund 150 Kilometer entfernte Bombay, Verletzte in Krankenhäuser gebracht. Untersuchung

Die seit Mai amtierende indische Regierung sagte umgehend eine gründliche Untersuchung zu - wie dies die Behörden nach den in Indien nicht seltenen Zugunglücken schon oft taten. "Dies ist eine Prüfung für unsere Regierung", sagte der Minister für das Bahnwesen, Laloo Prasad Yadav. Yadav kündigte zudem Entschädigungen in Höhe von 100.000 Rupien (1.825 Euro) für die Hinterbliebenen jedes Todesopfers an. Schwerverletzte sollen umgerechnet 274 Euro erhalten.

Das Unglück ereignete sich rund ein Jahr, nachdem am 22. Juni 2003 auf der Strecke Dutzende von Bahnfahrern getötet wurden, als ebenfalls ein Zug nach einem Erdrutsch in Felsbrocken raste. Danach hatte die Bahngesellschaft vorübergehend eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 40 Stundenkilometer angeordnet. Außerdem wurden einige Sicherheitsverbesserungen in Kraft gesetzt. (APA/dpa)